Heraklit von Ephesos

 

(Für den Versuch, die Einheit der unten folgenden Aphorismen wiederherzustellen, wurden u.a. konsultiert: Diels, Schleiermacher, Zimmermann. Kranz, Zeno, Marcovich und Kröner.)

0  Für den Sinn des Daseins gewinnen die Menschen nie ein Verständ­nis, mögen sie hier von ihm lesen oder nicht. Alles Geschehen der Natur ist diesem Gesetz unterworfen. Und doch bleiben sie wie Unerfahrene, so oft sie sich auch versuchen an Worten und Werken wie ich sie erörterte, ein jegliches seines Baues gemäß zerlegend und erklärend wie es sich verhält.

1 Menschen, das sind jene, die kein Bewusstsein gewinnen. Weder über das, was sie im Wachen tuen, noch über das was im Schlafe.

Schlaf: Innerer Wahrnehmungs-Bereich, in dem sich die verschiedenen Bedürfnisse des Organismus regen, dem Ich anhand „Gefühlen“ wie Hunger spürbar und bewusst werden. Dies ergänzen die „Träume“: nach Freud „halluzinierte Versuche, unerfüllt gebliebene Wünsche zu befriedigen, auf Lösungen etwaig im Wege stehender Probleme hinzuweisen“. Der Bereich des Wachen  stellt also die Außenwelt dar, wo dem Ich die Aufgabe zukommt, Sorge für die Stillung der im Schlaf wahrgenommenen Bedürfnisse zu tragen.

2 Pflicht daher, dem Gemeinsamen zu folgen. Doch obschon der Sinn das All-Einigende ist (innen u. außen bezogene Wahrnehmung zusammenfügend, von da ab: jeg­lich­en Gegensatz), leben die Menschen als wäre ihnen ein Privat-Verstand zu Eigen.

3 Der Verstand (Helios‘ intuitive Erde/ Leib) hat die Breite der Füße.

Konstanz der im­ma­nen­ten Naturweisheit, sinnbildlich der Selbstständigkeits-Drang: von Kind­heit an bis ins Alter auf „eigenen“ Füßen. Darin wurzelt das „Begehren“ der sich inwendig beim Ich [Helios] meldenden Bedürfnisse, das synthetische Vermögen, der „Eros“.

4 Bestünde das Glück in körperlichen Genüssen, müssten wir Ochsen (Kastraten) glücklich nennen, so sie süße Erbsen zum Fressen finden.

5 Heilung erstreben die Menschen von ihrer psychischen Kastration, indem sie sich stets von neuem traumatisieren  (ewiger Wieder­holungs­zwang der Erziehung), wie wenn einer, der in Dreck gefallen, sich mit Dreck zu säubern sucht. Für verrückt würden sie doch erachten, wen sie bei solch einem Treiben erblickten. Sie aber beten um Beistand zu ihren Götzen da – ihre Erzieher auf diese Scheinwerte projizierend –, wie wenn einer Gespräche mit Gebäuden zu führen versucht, un­fähig gemacht, das Wesen der Gesunden (Götter) und Heilbaren (Heroen) zu erkennen.

Heilbare (Helden) und Unheilbare (Menschen) teilen das Leiden an psychischer Kastration, der erzieherisch bedingten Verdrängung des Verstandes ins Unbewusste, unterscheiden jedoch tun sich beide im jeweiligen Schweregrad der Erkrankung:  Bei jenem, der ein Heilbarer blieb, misslang der Erziehung, aus dem göttlich gesund geborenen Kind "gut gemeint" ein seelisch vollständig depotenziertes Wesen zu formen, einen an die herrschenden Sitten perfekt adaptierten, staats- und gottesfürchtigen, Systems-gläubigen Bürger, dessen einziges Ansinnen ist, anhand seiner Ersatzbedürfnisse (neu­rotische „Instinktverarmung“) nach dem „Glück“ zu haschen, vergeblich. „Heilbar“ der, dem ge­lang, den der Genesung vorauszusetzenden Rest an gesundem Verstand nicht zu verlieren…

6 Die Vernunft (Helios‘ rationale Luft/ Geist) erwacht neu an jedem Morgen.  

Das ‚analytisch‘-zerlegende Vermögen des Ichs, der im Wach-Bereich tätige „Thanatos“ („Werk“ des lebendigen Bogen [21]). Ihm wohnt der Drang inne, auch so scheinbar selbst­ver­ständ­liche Dinge wie die seit Generationen üblichen Sitten und Gebräuche „sokra­t­isch“ zu hinterfragen: unvorein­ge­­nom­menen wie ein wissbegieriges Kind:...

Im Ich also  (s. nebenstehende Graphik) laufen die Bahnen des aus der Libido ent­spring­­en­den Seelenlebens wieder zusammen: über den unteren Bereich der VERSTAND (syn­the­ti­sier­en­de Intuition, das Begehren in den Gebieten der 5 Grundbedürfnisse/ Aggression des ‚körperlichen‘ Hand­lungs­drangkanals) und über den Bereich oben die VERNUNFT (analytische Ratio, Nous des ‚geistigen‘ Erkenntnis­drang­kanals). Während der intuitive Verstand – von Heraklit ab [31] mit dem Element Erde assoziiert – dem Ich das jeweils akute der 5 ‚körperlichen‘ Bedürfnisse auf dem Wege der „Gefühle“ mitteilt, kommt der rationalen Ver­nunft (Luft) die Aufgabe zu, die dem Ich von wachen Außenbereich her bewusst werdenden Phänomene hin­sicht­lich ihrer diesbezüglich­en Geeignet-/ Unge­eig­net­heit zu sondieren (analytische Differenzierung; Thanatos). Während dessen bleibt sie beraten vom Verstand (das die Synthese Begehrende, der Eros), so ergibt sich erst aus dem Gemein­sa­m­en alles Weitere/ „erklären“ der zuvor „zerlegten“ Worte und Werke/ [1])


7, 8  Würde auch alles vollständig zerlegt, so blieben die Teile dennoch imstande, einan­der am Geruch zu unterscheiden. Widereinander kämpfend gehen sie zu­sam­men (synthetisieren zu komplexen Dingen, Vorstellungen, Symbolen), auseinander gehend gliedern sie sich in die schönste Ordnung.

Vollständige Zerlegung: nicht weiter teilbar (griechisch „a tomos“). Nicht physische Atome jedoch sind das primäre Thema. Vielmehr geht‘s um „denk-notwendige Urteile“ – also Ideen im Sinne Platons, auch Kant‘sche Kategorien der Erkenntnis. Solche nicht weiter zu begrün­den­den Urteile sind dem Geist immanent..

Auf sich selbst und die anderen der Ideen (erdener Leib, seelisches Gewässer, feurige Göttlichkeit [31]) stößt also der Geist, die Luft, auch Glut-Hauch nach Heraklit. Dafür fasst er die Dinge nicht vollständig als für sich existenzfähig auf (ggf. bestünde Wahrnehmung aus einem bloßen Abbilden der Welt), sondern begreift sie v.a. als eigene Vorstellungen. Unterzieht er diese Gebilde einer Zerlegung, werden ihm die Kategorienals nicht weiter analysierbare Grundelemente seines Vorstellungs­weltalls bewusst, er selbst als eine unter ihnen.  Das zentralstes der Elemente stellt Quelle und Ziel des Denkens zugleich dar – Anfang und Ende desselben Kreises [102]). Aus diesen Schöpferischen Prinzip (Feuer) beginnt das der Analyse gegenüber stehende ‚synthe­tische‘ Zusammen­fügen der denknotwendigen Urteile, beginnend mit den Quantensprüngen (simpelste Wellenformen im umgebenden Weltwasser), über die sich aus diesen Urteilchen bildenden Atomen bis hin zu den komplexest vor­stellbaren Dingen überhaupt. Dies erfolgt wie gesagt nicht rein unter sich, denn die Urteile gehen auf die von den Sinnesorganen eingefangenen „Reize“, diese des Sinns gemäß ordnend zu der uns zugänglichen Welt… Dass Vorstellungen, wie „Einzeller“ oder „wir“ welche sind, denken – im Un- und Vorbewussten Hades auf chemo-geruchlichem Wege Orientierung leisten [98] – kommt also nicht von Nichts…

9 -12  Esel bevorzugen Gras anstelle diesen Goldes. Darin verdichtet liegt die Erkenntnis, dass das Weltall aus wechselseitig bedingten Urteilen Gestalt nimmt: Einheit-Vielheit, Eintracht-Zwietracht, Ruhend-Bewegt. Alles, was da lebt und webt, hütet dieser Gottheit Werk.

13-14  In ihrem Fluss stehend bin ich, doch immer von neuen Fluten umströmt – meine Seele selbst ist dies göttliche Fließen, ist Ich und ist Nicht-Ich. Schweine freilich erfreuen sich mehr des Drecks als an diesen Wassern. Denn der Übergang vom Kind- zum Erwachsen-Sein, wie ihn die Menschen gestalten (Pubertäts­rituale; Erziehung), macht seelisch krank – verdrängt angeborene Bedürfnisse, fort vom „Gefühls“-Bereich der innerlich-bewussten Wahrnehmung, hinab ins Vor- und Unbewusste.

Pubertätsrituale stellen die primitive Vorstufe unserer auf die Früh­kind­heit vorverlegten ‚Pädagogik‘ dar. Derarte Behandlung ankert in moral-totemisch­en Ver- und Geboten. Zweck der von der Vorgängergeneration verübten Erziehung ist es dann, den Nachfolge­gene­ra­ti­o­n­en diese Vorschriften als „Werte“ zu oktroyieren. Gelingt’s, wird deren Verhalten von solchem Götzen bestimmt. Dafür ist subtile oder offensichtliche Gewaltsamkeit erforderlich, im Unterschied zum instinktiven Verhalten (ethos), das – da dem Seelengrunde (daimon) eingeboren – aus eigenem Antrieb geäußert wird, von sich aus strebend nach Entfaltung, eigentlicher „Reife“. Den moral-tote­mischen Ver­hal­tens­­regulatorien fehlt dieser biologisch-evolutionärer Hinter­grund.  Nicht die ‚Natur‘ also ist der Schöpfer des Totemismus… Der prähistorische Ausbruch dieses Phänomens lässt sich aus den Ur-Arbeitsverträgen erklären, die die im Daseinskampf unterlegenen Mannschaften (‚Menschen‘) mit den  über­legenen der ‚Götter‘ vereinbarten: Infolge der „Arbeit“ ging den ‚Menschen‘ die Zeit verloren, über Sinn und Zweck sowohl dieses als auch aller anderen urpolitischen Abkommen bewusst zu reflektieren – die damit verbundenen Erfahrungen erstarrten zu „Mythen“ und die Inhalte der ehedem „Ich-bewusst“ vereinbarten Verträge zu moral-totemischen „Ver- und Geboten“. Zwischen dieser früh-totemischen Epoche und unserer Gegenwart liegt die „Einführung der Monogamie“  (s.u./ Pandora-Mythos) – auch sie stellt ursprünglich einen Vertrag dar, den Götter und Menschen bewusst vereinbarten. Heute wird all dies vom entsprechend erzogenen Über-Ich (Vorbewusstsein) herab „tradiert“, die methodische Ergründung der Herkunft dieser Sitten hierbei phobisch meidend, da das Selbst-Erforschungs-Bedürfnis (s. biblischer Baum der Erkenntnis) im Patriarchat als Tabu gilt: bedroht von auferlegter (verinnerlichter) Strafangst.

15 Wäre es nicht Dionysios, dem sie das Loblied singen auf den Phallos, so wäre es ein ganz scham­loses Treiben. Derselbe aber ist Hades und Dionysios, dem sie da toben und ihr Fest feiern.

Hades, mythisch Herr der Unterwelt (Schattenreich u.a. der Träume) symbolisiert den Bereich des Vorbe­wussten/ Über-Ich/ „Gewissen“.  Dionysios, den Mythen nach Erfinder des Weins, deutet hingegen den Zustand der Enthemmung an. Gehemmt oder von verinnerlichter Strafangst gehindert, den Forderungen der Seelischen Potenz nach­zu­kommen, ist aber das ICH-Bewusstsein („Helios“), so wird letztlich dort die Entscheidung gefällt, die seelisch-emotionelle Potenz (göttlicher Fluss; Phallos als dessen Symbol) von der Sphäre der bewussten inneren Wahrnehmung zu verdrängen  Äußerer Anlass ist der von Seiten der Erzieher mittels traumatischer Rituale und Liebes-Ent­zugs­drohung verübte Zwang, die Verhaltensnormen der totemischen Moral zu übernehmen.  Gefordert wird: erwachsen zu werden im Sinne dieses naturfeindlichen Systems …

Heraklit verwirft die Zurschaustellung des Phallos nicht als vollständig schamlos – warum? Nun, da das vom Alkohol berauschte Ich de facto auf chemischem Wege zum Größenwahn induziert wird, setzt es sich über die trieb­feind­lichen Warnungen seines Über-Ichs hinweg. Es empfindet keine „Scham“ (Strafangst) während der vom Lobgesang begleiteten Zuschaustellung des Phallos. Dies Organ ist ein Ausdruck des Er-Wachsen-Seins, der „Reife“.

Allerdings, dieser Prozess erfolgt naturgemäß auf 3 parallelen Bahnen: sowohl körperlich als auch geistig und schließlich emotionell, wobei jeder Bereich spezifischer Anreize bedarf, um sein u.a. genetisch ange­legtes Potential zu entfalten. Fehlen die hierfür vorauszusetzenden Beziehungsfaktoren (die „Primatische Kindergruppe“), z.B. weil man das für sie maßgebliche Instinktverhalten gezielt bekämpft – wie der Fall durch die Maßnahmen der moralischen Erziehung –, dann bleibt die naturgemäße Entwicklung aus… Vom Unbewussten (Hades) her angeregt, die „phallische Drohung“ zu äußern (ein uralter Instinkt der männlichen Primaten, maßgeblich auch für die Begründung der Megalith-Kulturen) wird somit zu einem Relikt, den rein endokrinisch-körperlichen Anteil der Seele verkörpernd. Hätte Heraklit diesen Aspekt des schöpferischen Prinzips nicht mitbedacht, hätte er gesagt: Das Erziehungsgebahren der Menschen ist ein ganz schamloses Treiben

16 Wie kann ihnen verborgen bleiben, was nimmer unter­ geht?
                                        
Polemik (von. griechisch polemos, der Streit). Dieser Frage liegt die Erkenntnis der Ewigkeit des kreativen Prinzips/ 30 ff) zugrunde – seinerseits verbunden mit dem Kampfdrang (Schöpfer und Gestalter des Alls), so fordert Heraklit anhand ihrer dazu heraus, sich mit dem Phänomen der psychischen Kastrierung ( „Instinktverarmung“; narzisstischer Regressionsdrang; Ausruhens-Sucht) zu befassen. Das Ich der zur Genesung fähig gebliebenen Helden soll sich ihren und Schöpfer des Alls wiederzugänglich machen – statt ‚auszuruhen‘ darum kämpfen, die Ursachen seiner partiellen Verdrängung zu erkennen. Ohne diagnostische Freilegung des Göttlichen auch im Menschen (wie in allen Dingen), keine therapeutische Nachreifung, Selbstverwirklichung, Genesung…

17 Menschen verstehen‘s nicht, so oft sie auch darauf stoßen, noch erkannten sie es, während das Göttliche zu ehren und fürchten ihnen gelehrt wurde. (Versittlichung; Installation naturfeindlicher Götzen [Scheinwerte] im Denken). Aber sie bilden sich ein.

18-20 Wer es nicht erwünscht – das kreative Prinzip meidet infolge der aus den ‘Belehrungen‘ verinnerlichten Straf- & Liebesverlustängste –,  wird es nicht finden, denn Uner­wünschtes wird nicht gesucht, es ist unauf­spür­bar-un­zu­­gäng­lich. (Was nicht sein darf, ist nicht). Menschen: Leute, die weder zu hören verstehen, noch zu reden. Sobald ge­boren, haben sie Wille zum Leben und geraten in eine Welt, welche sie zwingt, den Kampfdrang zu verdrängen – ewig zu ruhen (Leiden am narzisstischen Regressionsdrang; pathologische Fixierung an den Außen= Wach-Bereich der Wahr­nehmung; Meiden des lebendigen Begehrens im Bereich „Schlaf“). Und sie zeugen Kinder, die sie ihrerseits nötigen, des Todes Los zu ziehen.

Ewige "Rollenumkehr", vom Erziehungsopfer zum -täter. Unheilbar Erzogene können nicht lassen, sich selbst und die ihnen ausgelieferten Generationen der instinkt­kastrier­enden Prozedur zu unterwerfen. Das Opfer verinnerlicht (lernt) die totemischen Verbote ins ÜBER-ICH, welches dann das ICH – nicht weniger "gut gemeint" als die Erzieher – davor zurück­schrecken lässt, sich mit den symbolischen Mitteilungen der Libido [Feuer] zu befassen: das schöpferische Prinzip bleibt im ‚Hades‘ verdrängt… Das folgende stellt eine Metapsychologie dar; Heraklit beginnt darin, die Begriffe Leben und Tod zu erklären, indem er beide in spezifischer Weise mit den zwei eingangs angedeuteten Wahrnehmungs- und Denkbereichen (Schlaf-Wach) verbindet.

21-23 Tod ist alles, was wir erwacht schauen (nach außen hin;  rational-analytisch), Leben hingegen was im Schlafe (Innerlich erspürtes Begehren).  Goldsucher graben viel Erde um, nur weniges findend. Des Gesetzes Namen würde ohne diesen Fund keiner kennen.  Vgl. Freuds  „Eros-Thanatos“, der Antagonismus des Lebens- und Todes-Triebes.
              
24, 25 Gesetz auch, dass Götter wie Menschen die kämpfend Gefallenen ehren. Größerem Todes­ge­schick gebührt größerer Ruhm, denn kämpfend gefallene Seelen gesünder waren als jene, die der Krankheit "Mensch" erlagen – gezwun­gen zum ‚Ausruhen', zum Außenwahrnehmungs-fixierten Todes-Los [Tageswesen] erzogen sein.

26  Halbwach ziehen wir Lebendiges hinaus in den Tod (animistische Beseelung der Außenwelt; Projektions-Phänomen); halbschlafend Totes hinein ins Leben (Verinnerlichung der „Erfahrungen“; Einbau z.B. in die Träume, so dass dort längst verstorbene ‚Angehörige‘ zu wandeln scheinen als wären sie noch oder wieder am Leben). Der Unheilbare aber entzündet in seiner Umnachtung, da ihm die Seelenerkenntnis erlosch, ein künstliches Licht, dem Gemischten [67a] ein Eigenleben einhauchend, den lebendigen Mischer meidend.  Anhang

Der Mensch spricht von Liebe, selbstloser Einsatzbereitschaft, Kreativität, Gott und die Welt, weiß aber nicht, dass er einem naturfeindlichen System unterworfen wurde, dessen Anliegen ist, das Göttliche am Menschen zu bekämpfen, es zu verdrängen.

27  So harrt des Menschen, was er weder hofft noch wähnt.

28  Glaublich ist nur, was die Besten zu er­ken­nen ver­mögen und zu greifen. Und freilich wird der Sinn zu fassen wissen der Lügen Schmiede und Zeugen.

29 Eines ist, das die Besten allem anderen bevorzugen: Das eigentlich Lebendige dem Vergänglichen. Die Masse aber liegt wie das Vieh, vollgefressen.


30 Den Sinn, waltend über alle Dinge, erschuf keiner der Götter noch einer der Menschen. Er war immer da und ist und wird immer sein lebendiges Feuer, sich umwandelnd zu Seelen nach dem Maße,* sie vergehen lassend nach dem Ma­ß­e.

/* Der Goldene Schnitt (göttliche Proportion) z.B. im Verhältnis: 30 Teile zu 19, verhält sich wie  19 zu 11. Dieser Proportionalität liegt eine mathematisch darstellbare Dynamik zugrunde: 0+1=1, 1+1=2, 1+2=3..., nämlich die Art, nach der sich z.B. die Samen einer Sonnenblume gruppieren, ausgehend von einem noumenalen Null- oder Mittelpunkt (in jenem einen Samen, aus dem die ganze Blume wuchs). Blütenblätter und Samen bilden eine Spiralstruktur, deren Arme sich gemäß des Goldenen Schnitts überkreuzen. Solche Formen empfinden wir spontan als schön, sie sind das Muster, das sich herausbildet durch Selbstorganisation. Die Erkenntniskategorien synthetisieren sich zu Atomen, Sternen und Lebewesen. Selbstorganisation heißt auch: Selbst­heilung im Falle erlittener Schäden. Siehe [67b], wo die Seele ihren Halt in sich selbst durch ‚unschöne‘ Ver­letz­ungen  verlor, ihn wiedererlangend, durch Genesung …

31-33 Feuers Umwende: Wasser. Vom Wasser die eine Hälfte ist Erde (intuitiver Verstand/ Eros-Bios) die andere Luft (rationale Vernunft/ Thanatos). Eines, das Feuer, will und will nicht genannt werden Gott. Gesetz heißt auch: dem Rat des Einigenden (der die widereinander strebenden Parteien und Gegensätze zusammenfügt) zu folgen.

34, 35 Menschen verstehen’s nicht, auch wo sie’s vernehmen, so sind sie wie taub. Das Sprichwort bezeugt‘s: Anwesend Ab­we­sende. Gar vieler Dinge kundig müssen Männer sein, die das Weise lieben.

 Verständlich, dass Heraklit reizt, sich Kenntnisse dieser Art zu ersparen: Die Libido fordert ihres Lustprinzips wegen die sofortige Beseitigung der kastriert-/kastrierenden Masse; das Ich-eigene Reali­täts­prinzip: auch solch Phänomen zu erkunden gehört zum Philo­so­phieren.

36, 37 Schweine erlösen sich von ihren Plagen durch Suhlen im Schlamm, Geflügel badet in Staub und Asche. Des Anthropos‘ Mittel hingegen besteht aus der Feuers Umwende: Wasser. Feuers lustvoller Tod ist es, sich zur Welt- und zu Individual­seelen umzuwandeln, des Wassers lustvolles Ersterben ist der Erde Leben. Wir leben des Feuers Tod, es den unseren.

38, 39 Thales studierte als erster Hellene das universale Wasser (Weltseele) und die sich darin durch Verdichtung bildenden Sterne. In Priene jedoch lebte Bias, des Teutames Sohn, dessen Ruhm größer ist denn aller.

Bias, auch Bios, einer der „7 Weisen“. Sein Name ließe sich als Doppel­­mann übersetzen... Nicht so sehr auf die Verbundenheit mit anderen Männern (der Begriff Leben kommt ethymologisch vom Zusammen-Kleben), sondern zuerst darauf sollte Heraklit Bias Ruhm zurückführen, dass ihm gelungen sei, die Komple­ment­ari­tät der apriorischen Urteilskategorien erkannt und gelebt zu haben. Das „Bi“ (=Zwei) bezog sich also zuerst auf die Dualität der Innerlich und Äußerlichen Wahrnehmung (Schlaf-Wach), von da an auf alle Antagonismen, die sich aus erster Verbindung ergeben: intuitiver Verstand-rationale Vernunft, Leib-Geist, Erde-Luft usw. –die Gottheit, deren Gesetz alles auf eine Weise lenk…



Lassen sich Heraklits 4 Elemente auf Kants 12 Erkenntnis­kate­gorien erweitern? Ggf. böte es einen möglichen Grund, der er­klärt, warum eine Urmannschaft höchstens aus 11 Mann bestehen kann, ab dem 12. mit der Bildung zweier Parteien be­gin­nend, die sich zur nächsten Frauenbrunft end­gültig trennen, indem die siegreiche Partei die unterlegene vom Frauenterritorium vertreibt…



Der eine 11er-Mannschaft führende Mann entspräche jenem Talent, in dem nach außen weitere 10 harmonieren (Di­plo­­matie und psy­cho­lo­gisches Ein­fühlungs­ver­mö­gen als das für "soziale Kompe­tenz" maßgebliche der Talente/ Zänkereien  schlichten) – aussichtslos ohne die Begabung der mystischen Introspektion. Mystik von griechisch myein: Schließe die Augen, Ohren, alle Körperöffnungen! Erst die Offenbarung des Kreativen Prinzips, der Lebendigkeit selbst, ermöglicht dem Ich, den Daseinskampf auf unserem Planet vor unnötigen Härten zu bewahren…

Bias war nun ein Mystiker, sonst hätte ihn Heraklit nicht gerühmt, mehr als alle, sei mit oder ohne eine Mann­schaft. Es war im Besitz der Voraussetz­ung, von den Menschen gefürchtet, gehasst und beneidet zu werden. Als sie ihn geächtet, des Reichtums an Dingen beraubt und aus der Stadt geworfen hatten, wusste er seine entsetzten Freunde zu trösten mit den Worten: „All meinen Besitz tra­ge ich in mir, seit je her.“ – Grund genug für Menschen, ihm nach seinem Tode zu huldigen als einem ihrer 7 Weisen, Götzen.. Kämpfend Gefallene werden von Göttern wie Menschen gerühmt. Freilich aus wesensunvereinbaren Ursachen...

40, 41 Bildung lehrt nicht, Ver­stand zu haben. Sonst hätte sie’s He­si­od ge­lehrt und Xe­no­phanes, ferner Hekataios und Archi­loch­os. Auch Homer verdient aus den Preiskämpfen geschmissen und gehütet wie das Vieh mit Ruten.

42 Überhe­bung ist zu löschen eher noch als der Brand einer Polis (befestigter Wohnsitz eines „Stammes“/ = im Kern 3 sich urpolitisch vertragende Mannschaften; „Tribe“).

Warnung vor dem "Macht­drang".  Diesem Ersatzbedürfnis liegt heute das Ohnmachtsgefühl des kindlichen Ichs zugrunde, sich gegen die triebverdrängenden Maßnahmen seiner Erziehung zu behaupten. Diese subtile Methodik der Erziehung („Pädagogik“) wurzelt in den brutalen Pubertätsritualen der totemischen Kulturen. Sie ächten anhand traumatischer Belehrung das naturgemäße Selbstwertgefühl (Eigen­stän­digkeitsdrang; intuitiver Verstand), verstümmelt oder verdrängt es und äußert sich symptomatisch in doppelter Weise:

-         mikromanische Unterwürfigkeit gegenüber den Obrigkeiten
-         megalomanischer Auflehnungsdrang, Überhebung (‚Prometheismus‘)

Letzteres gipfelte in der Rebellion der Mannschaft Prometheus gegen die Sieger­mann­schaft Zeus. P. unternahm den Versuch, Z. um den ehedem zugestandenen „Löwen­an­teil“ der Wirtschafts­erträge dieser Kultur zu betrügen, sie dazu als „Ausbeuter“ bezichtigend. Zeus reagierte kampfstrategisch, indem er die Mannschaft Epimetheus (Prometheus politischen ‚Bruder‘) mittels Verpaarung jedes der Männer an je einer Frau (Pandora) zerschlug, d.h. in der Tributs verpflichteten Kultur der Titanen (E + P) die „Monogamie“ einführte. Vereinzelte Männer sind leichter zu kontrollieren, als eine geschlossen agierende Mannschaft. Somit schuf Zeus die Vor­aus­setzung, die ihres ‚Bruders‘ verlustig gegang­ene Pro­­me­the­us-Mannschaft relativ risikoarm anzugreifen und in die Ödnisse des Kauka­sus zu vertreiben….

Interessant ist das überlieferte Argument, anhand dessen P. ihre Rebellion begründete: Indem die siegreichen Götter um Zeus auf o.g. Arbeitsleistung (Ablieferung eines Rindes) bestanden, scheinen sie sich der „Ausbeutung“ schuldig gemacht zu haben, zugleich der Tributs verpflichteten Kultur der Titanen den „Zugang zum Feuer“ verwehrend. P.‘s Argument liegt freilich primär die Verdrängung der feurigen Triebenergie (Libido) ins Unbewusste zugrunde – ein Vorgang, der die totemische Versittlichung der Über-Ich/ „Gewissens“ mit entsprechenden Warnungen voraussetzt: beim Ich bewusst werdende Strafängste, den Forderungen der triebenergetischen Libido (Feuer) Folge zu leisten. Insofern die Mannschaft Prometheus an solch einem Über-Ich litt, versuchend, ihr Gefühl der Ohnmacht gegenüber den totemischen Werten (Gottesfurcht und -Gehorsam, Arbeiten zu Gunsten der Obrigkeiten…) durch Machtgebaren zu kompensieren, anstatt die Ursachen methodisch zu erforschen, wurde sie vor allem selbst zu ihrem eigenen Ausbeuter…

Die Zeus-Mannschaft kann als vom Phänomen der Totemisierung des Über-Ichs unbetroffen erachtet werden. Der ursprüngliche Sinn und Zweck eines urpolitischen Arbeits-Vertrags stellt dar, der Siegermannschaft eines Stammes die freie Zeit zu erwirtschaften, derer es bedarf zum Ersinnen von Konzepten, die solche Kultur im Daseinskampf gegen fremde Stämme und die Phänomene der restlichen umgebenden Natur lenkten, ihr ihr Überleben und Gedeihen ermöglichend. Aus diesem Grunde bedeutet der Name „Zeus (theus)“ Der reine Geist; er bringt eine Spezialisierung auf den Bereich des Denkens (intellektuelle Arbeit) zum Ausdruck… Ein Arbeitsvertrag wie jener, der seit Jahrtausenden zwischen der Kultur der Titanen (E. +P.)  und der Kultur um die Zeus-Mannschaft bestand, setzt eine kritische Verschärfung der Überbevölkerung voraus. Solch Faktor geht mit einer Ressour­cen­verknappung einher und diese wiederum mit einem Mehraufwand an Zeit und Kraft, die eigene Ernährung zu sichern. Ist die Siegermannschaft eines Stammes davon auf gleiche Weise betroffen, wie die unterlegenen Mannschaften, kann sie schließlich ihrer Aufgabe: den ganzen Stamm zu führen und die dafür erforderlichen Strategien zu ersinnen – nicht mehr nachkommen. Die Vereinbarung eines sich auf verschiedene Bereiche spezialisierenden Leistungs-Austausches (die Erträge der geistigen Arbeit gegen die der körperlichen) behebt diese Krise. Das Motiv kann mit dem Ausbeutungs-Phänomen nichts zu tun haben, denn die Urmenschheit war psychisch gesund. Wird aber die ‚Muße‘ per Vertrag  zu einem Vorrecht der siegreichen Mannschaften (mythische Götter), während die unterlegenen Mannschaft (myth. Menschen) arbeiten und ihnen ‚Opfer‘ darbringen, dann ging letzteren die Zeit verloren, ich-bewusst über den Anlass und Sinn solcher urpolitischen Abkommen zu reflektieren. Stattdessen gelangt das Über-Ich, geprägt mit solchen Inhalten, zur Macht, u.z. zu einer fatalen. Übrigens reflektiert Platon im Zusammenhang einer Erörterung des Eros über die historische Einführung der Monogamie unter den aufständischen Titanen: In seiner Erzählung von den „Kugelmenschen“ rühmt er deren gefühlsmäßige Verbundenheit als stark genug, es gewagt zu haben, Zeus im mythischen „Himmel“ (überblick bietender Bereich der Siegermannschaft) angegriffen zu haben. Worauf Zeus den Entschluss fasste, die Urkugelgruppe zu lauter vereinzelten Individuen zu „zerschneiden“…

Dass Zeus unter den aus ihrer Sicht vertragsbrüchig gewordenen Titanen die Monogamie einführte (vgl. auch die Verpaarung der ‚Tempeldirne‘ Schamkat [Eva] mit Enkidu [Adam]/ Gilgamesch-Epos), stellte die Ruhe und Ordnung im Stamm wieder her, langfristig jedoch erwies sich dieser Eingriff als  größter "Ur-Irrtum" der Urmenschheit:


43 Egozentrik ist eine zum Fall führende Sucht, und Gesichte leicht zu missdeuten.

Eigendünkel: auch Glaube der Siegermannschaften, man brauche unter den auf­stän­­dischen nur die Monogamie einzu­führen, um das  Problem in den Griff zu bekom­men. Solch Glaube ist Produkt des "Ichs", logisch bestechend, falsch, weil nicht nur am Totemismus (einschl. Erziehung) nichts geändert wurde, sondern der Ausbruch des Narzissmus hinzu  kam: Die mo­no­gamen „Familie“  ver­un­möglicht die primatische Kinder­gruppe der Horden­lebens­form, die Voraussetzung der naturgemäßen seelisch-emotionellen Entwicklung, psych­ischen Reife.
Die „Familien“ lehnten sich gegen ihre Schöpfer auf, monogamisierten sie ebenfalls oder brachten sie um. Einer Siegermannschaft (Zeus) könnten Eigendünkel zur Last gelegt werden bei der Idee der Monogamisierung. Vielleicht begleitet von Träumen, die den Sieg verkündeten und denen dazu als „Zukunft“-Vision“ Glauben geschenkt wurde, anstatt sie methodisch zu untersuchen…

44 Eines nur ist das Weise: Sich ver­steh­en auf den Ge­­danken, als welches Eines zu steuern weiß alles auf jede Weise.

Sokrates: „Ich weiß, dass das Ich nichts weiß“– ein Wissen, das ihm die intuitive Weisheit der Natur (Stimme seines Daimonions) offenbarte. Platons Berichten nach meldet sich das Daimonion nur dann, da dem Ich mit seiner rationalen Analytik ein Fehler unterlief. So lehnte Sokrates das Angebot, dem Todesurteil, das ihm von den zur Macht gelangten Familien­massen Athens verhängt wurde, zu entfliehen, ab, da solch Tun einem prometheischen Aufstand entsprochen hätte. Er wäre zum schlechten Vorbild geworden, dem Platon und weitere unzufriedene junge Leute nachgeeifert hätten, mit politischen Unruhen und Toten zur Folge. Sokrates Heldentat verkörpert nicht nur eine unglaubliche Demütigung unserer auf der krankmachenden Monogamie verankerten Gesellschaftsform. Sie verschaffte der Philosophie auch die notwendige Ruhe und Zeit, sich noch im Untergangszenario der hellenischen Kultur so weit voran zu bringen, dass ihr der Sprung über die Jahrtausende gelang. Ohne die von Platon begründete Akademie wäre die Philosophie im Dunkel der Vorgeschichte verschollen. Erst heute ist das Ich der Menschheit imstande, ihre Tragödie zu realisieren, sie verarbeitend und die geeigneten Maßnahmen zur Behebung ihrer Ur-Irrtümer ergreifend.

45 Gesetz des Sinns gemäß: Kämpfen sollst du um den Zugang zum Ewigen, mehr als um den Erhalt der politischen Ordnung, dein eigenes Dasein.

46, 47 Des Feuers Grenzen kannst Du nicht ausfindig machen, beschrittest du auch jeglichen der Wege: so umfassend - all durchdringend wirkt es. 

48 Wir sollen nicht leichthin urteilen über die größten Dinge:  Des Bogens Name ist Leben, sein Werk der Tod.  Also: Das Leben baut in sich eine Spannung auf ( den Eros; das Begehren/ nach synthetischer Integration der Triebziele), die dem Ich als „Unlust“ spürbar und bewusst wird, worauf es beginnt, die Umwelt nach geeignet-/ungeeigneten Faktoren zu unterscheiden (analytischer Thanatos) und sich lustvoll zu entspannen. Das Werk des Lebensbogens ist ein gezielter Schuss – ein Pfeil, der, ins Herz der Beute versenkt, das an ihr ungeeignete Fluchtvermögen vom begehrten Fleisch separiert.

49  Einer überwiegt mir an Wert alle Menschen, sofern ihm begehrt nach dem Besten. Nicht zweimal aber ist’s möglich, in denselben Fluss steigen; wir sind und sind nicht.

Das Begehren (aristokratische Gesinntheit) ist das Maßgebliche, nicht, ob der jeweilige selbst ein Bester sei unter den Besten (aristoi). Denn – da die Geschöpfe vergänglich sind – kann einer, der eben noch gut war, gleich darauf beginnen, zu verwesen…

50 Nicht mich vernehmend, sondern den Sinn: Das ist die Weisheit, welche sagen darf Alles ist eins. (Ohne Zugang zum Sinn wird es hohles Gerede, Gut und Schlecht, Anfang und Ende etc. als das Selbe zu bezeichnen. Vgl. [57])

51, 52  Menschen verstehen nicht, wie der Sinn im Widereinander-Strebenden mit sich selbst übereinstimmt: Gegen­strebige Verbindungen­, wie beim Bogen und der Leier, deren Sehnen (Begehren/ Eros) die Hölzer zum Gegenzug krümmt, Pfeile entsendend, Melodien: Werk des Lebens (analytischer Thanatos).

53  Verbindungen, nur denkend fassbare, sind besser als sichtbare. Alles, wovon es Sicht, Geruch und Getast gibt, ziehe ich aus ihnen hervor.

Urteilskategorien – auch platonische Ideal-Zahlen [quantenmechanische „Spins“, „Ladungen“…) stellen keine sinnlich fassbaren Phänomene oder komplexe Vorstellungen („Dinge“) dar. Beides ‚entsteht‘, indem Kategorien miteinander fusionieren – dadurch erst bilden sie die Phänomene, „synthetische Vorstellungen a posteriori“. Ob Atome, ob Lebewesen…

54, 55  Die Gottheit ist ein Kind, das spielt, hin und her die Brettsteine setzend: lernend, Kinder­regiment! Kampfdrang ist der Urheber des Alls, Lenker aller Dinge. Die einen erweist er überlegen, die anderen wirft er hinab; jene erhebt er zu Freien, diese macht er zu Dingen in deren Dienst.  

Das lernende Kind sind also die Prozesses der Evolution: des Kosmos nicht weniger, als der Beleben Materie auf den dafür geeigneten Planeten. Jedes physikalische ‚Atom‘, jedes Genom ist ein Wissen, das das Kreative Prinzip erschuf und lernend gewann, in jenen Umwelten, in denen und als die es Gestalt nahm.

56  Den Täuschungen erlegen sind die Menschen in der Erkenntnis des Offensicht­lichen ähnlich dem Homer, der ihnen als weiser galt als die Hellenen allesamt. Und doch foppten ihn Jungs, die ihre Läuse gejagt, indem sie ihn raten hießen: Was wir fingen, das ließen wir zurück, was wir nicht ergriffen, bringen wir dir mit?     
 
Homer, der Sage nach derart besessen vom Wunsch, ein berühmter Dichter zu sein, dass er zu Götter flehend bereit war, ihnen die Augen im Tausch gegen diese Gabe zu opfern. Seine Götzen gewähr­ten den Wunsch… Heraklit sieht die Ursache solchen Wahnsinns in der erlittenen Ohnmacht des Kindes, sich gegen seine ihn in der Familie gefangen haltenden Eltern zu behaupten. Anstatt ihm die primatische Kindergruppe zu beschaffen (in der „Familie“ eine Unmöglichkeit) werden ihm die Verhaltensvorschriften der totemischen Moral ‚verhängt‘. Das Kind bleibt emotionell infantil, „narzisstisch“ Mutter-Liebes-bedürftig und um diesen zu einer fixen Idee werdenden Ich-Wunsch nicht zu gefährden, unterwirft es sich den Ver- und Geboten der triebfeindlichen Erziehung, die Libido ihrer Forderungen nach Triebbefriedigung wegen in einen gefürchteten Dämon verwandelnd, den es ins Unbe­wusste verdrängt. De facto kastriert sich das kindliche Ich also selbst – sich blind machend gegen das Göttliche im Menschen. So wie einst Ödipus, u.z. aus dem gleichen Grunde, um die Ungeheuerlichkeit solche Mutter vor dem sich meldenden Rachedrang zu verschonen, um sich die Illusion ihrer Liebe zu erretten. Parme­ni­des: Schaue mit dem Geiste, wie durch ihn das Abwesende anwesend ist, mit Gewissheit. Denn das Sein wird er von seinem Zusammenhang mit dem Seienden nicht abtrennen – weder von jenem, das sich der Ordnung gemäß gänzlich zerstreue, noch von diesem, das sich also zusammenballe. Eines ist es mir, von woher ich den Anfang nehme; dorthin gehe  ich zurück. Das ist mein Schöpfer – ‚Vater‘ und ‚Mutter‘ zugleich..

57 Lehrer der Meisten aber ist Hesiod. Von ihm sind sie über­zeugt, er wisse am meisten, er, der das Wesen der Tage und Nächte nicht kannte. Ist ja eins!
58-62 Auch Gut und Übel ist eins: Heiler (Ärzte, erziehende Eltern, Geistliche und Ideologen), die Gesunde quälen und noch Lohn dazu fordern (sei’s im Himmel, sei’s auf Erden), eine Pest. Unsterbliche: Sterbliche. Sterbliche: Unsterbliche. Das Leben der einen, der anderen Tod. Der Wal­ker­schraube Weg, gerade wie krumm, hinauf-hinab: derselbe. Meer, reinstes und scheußlichstes Gewässer: der Fische Lebensquell, den Menschen ein Gift.

63, 64 Im Schlafe (Introspektion) aber erhebt sich die Wacht über Leben-Tod:  das All (Welt der Wachen) ereilt dort sein Gericht – göttlichen Feuers Aus­bruch vernichtet es.

65, 66 Dem Feuer entspringt die Vernunft (Glutwind/ -Luft), darin der Tropismus Mangel-Sattheit. Hunger erschafft die Welt (Auftauchen von Quanten in Form wahr­schein­licher Wasserwellen aus dem Apeiron) Sattheit vernichtet sie. Alles im Schlafe ergreift das Feuer, es richtend.

67a  Gott ist: Satt­heit Hun­ger, Schlaf Wach, Leben Tot usf. Die Symbole aber wechseln so notwendig durch seine vom Unbewussten her lenkende Kraft, wie ein Feuer, das mit Räu­cher­werk gemengt, nach dem Duft der jeweiligen Sorte heißt.

Beste Freud’sche Lehre über‘s Zustandekommen der Symbole und Freien Assoziationen… In der psychischen Welt gibt es also keinen geistlosen Zufall. Jeder Traum hat seine „Botschaft“, jeder Einfall seinen Zusammenhang. All dies kündet von der Situation des Betreffenden, der Struktur seiner Seele, deren Energie (Libido-Feuer) je nach Begehren mal jenen, mal diesen Ort „besetzt“, ein bestimmtes Bedürfnis (Gefühl) mit einer bei dessen Stillungs­versuch  gemachten Erfahrung verschmelzend. Sym.bol: Das aus 2em Geballte…

67b  Wie eine inmitten ihres Netzes wohnende Spinne merkt, wenn die Fliegen der Fäden einen zerstörten und rasch dahin eilt, als ob sie sich seiner härme, so wandelt die Seele, als ob sie haltlos sei, dem verletzten ihrer Teile zu, versuchend, es zu heilen. Halt bietet das Maß [30], dem entsprechend Leib und Geist vom Feuer zum Gemeinsamen (Seele) verwebt.

68 Ein Heilmittel ist der erkrankten Seele die mystische Introspektion.

Offenbarung des Ewigen, in Hinblick auf die Gesetzmäßigkeit seines Umtauschs auch zur Indi­vi­du­al­seele [30; 37], als auch ihrer inneren Beschaffenheit. Der natürlichen Anlagen nicht weniger als der ihnen im Wege stehenden Probleme, Traumata, Perversionen. Bewusst angestrebte Introspektion (willentlich Hinwendung zu den inneren Regungen, Gefühlen der Seele) stellt eine Möglichkeit dar. Eine andere eröffnet sich über das Phänomen der Träume, deren „symbolische“ Botschaften freilich nicht ohne weiteres zugänglich sind, so soll man seine Träume weder ignorieren (als nicht der Rede wert seiende „Schäume“ auffassen) noch ohne weiteres für bare Münze nehmen (o.g. „Gesichte“). Sie sollen methodisch-psycho­ana­ly­tisch untersucht werden, hierbei viel Erde umgrabend, an Gold weniges findend…

69  Bei den Opfern sind zwei Arten zu unter­schei­den: Die einen werden dem Feuer dargebracht, wie es heut nur vereinzelt vorkommen kann, denn diese Art setzt voraus eine von Schäden genesungsfähig gebliebene Seele. Geopfert wird Krankes, Halt findend im sich wiederherstellenden Maß… Die andere Art opfert dem Götz der perversen ‚Glücks- und Wertvorstellungen‘ die Gesundheit.

70 Meinungen der Menschen: Kindische Spielereien.

71a Man soll derer sich annehmen, denen vergessen gemacht wurde, wohin der Weg führt, die dennoch vermochten, etwas vom gesundem Verstand im Bewusst­sein zu bewahren, vor der psychisch kastrierenden Erziehung zu erretten.

71b  Den Ehrsüchtigen zur Mahnung, den Rest an Verstand nicht zu miss­brauch­en: Kürzester Weg zum Ruhm: die Genesung.

72 Den Gebildeten freilich wurde die Bildung zu einer zweiten Sonne (künstliches Licht [25]). Von der Gottheit, mit der ihre Leiber beständig verkehren, dem Schöpfer und Gesetzesgeber des Alls, von dem hält sich ihr Geist in beständiger Ent­zwei­ung, so bleiben ihnen die Dinge fremd.

Neurotische Ignoranz. Bezüglich Primaten- und Megalith-Forschung nicht weniger als der Traumdeutung anhand „Freier Assoziation“. Die Inhalte beider Bereiche (Ex- und Introspektion) bleiben auch dann „fremd“, wenn das Ich zwar den einen konsultiert, den anderen aber meidet.  Erst das Gemeinsame aus beidem ist der „Sinn“, der ganze „logos“…

73 Handle nicht wie der Mensch, als wandeltest du im Schlaf.

Halbwach, komatös. Sowohl die Ansichten bezüglich der ‚wachen‘ Außenwelt (primaten­etho­lo­gische und sonst wie „extro­spek­tive Befunde) als auch die Symbole aus der ‚schlafenden‘ Innenwelt (Träume Offenbarungen, Eingebungen), sollen methodisch ergründet, geprüft werden, logisch wie experimentell. Nicht alles „logische“ ist „wahr“: nur die sich in Experimenten bewähr­enden Ansichten dürfen als wahrhaftig gelten...

74, 75  Und tue nichts als das Kind deiner Eltern, d.h. kurz gesagt: nicht als Opfer der Familie – anders als du narzisstisch gemacht wurdest, dazu zum unheilbaren Todes los erzogen werden solltest. Eltern Ehre bezeugen, nur weil sie als Zeuger sich wähnen und die totemische Moral es fordert, ver­knecht­et Götter gar (vor allem die göttlich-gesund zur Welt kommenden Kinder). 

77  Feuers lustvoller Tod ist es, feucht zu werden (Umwende ins seelische Gewässer); wir leben seinen Tod, es den unseren: Dies ist dein wahrer und der Schöpfer der Welt.

78, 79 Menschlichem Denken ist keinerlei wahre Einsicht zu Eigen. Heißt Mensch doch kindisch vor der Gottheit, wie der Knabe schwach vor dem Mann.

80 Wisse, dass der Daseinskampf um die Stillung primärer Bedürf­nisse das allem Gemeinsame ist, und das Recht der Zwist, und dass alles ge­schieht aufgrund Spaltung (in Gegensätze), Schuld und Unrecht.


Exkurs zum Lehrgedicht Anaximanders

Heraklit bezieht sich hier auf Anaximander, bzw. entstammen seine Grundansicht derselben Quelle. Jedenfalls eignet sich das Gedicht vorzüglich, gemeinte Art von Unrecht zu erörtern:

I - Ursprung der Dinge (des Begrenzten) ist das Unbegrenzt-Grenzenlose (A peiron).  Woraus ihnen ihr Entstehen, in das hinein widerfährt ihnen ihr Vergehen, gemäß ihrer Schuld; denn sie zahlen einander Strafe und Buße für ihre Ungerechtigkeit, wie es das Gesetz befiehlt.

II - Unerschaffen-unzerstörbar ist das A peiron (0-dimensional, unaus­forsch­lich, nicht-eingliederbar in den Kausalnexus des dialektisch-dimensionalen Denkens).

III - Erde von Gestalt einer Säule, umhüllt von Glut­wind-Röhre.

Anaximander philosophierte in direkter Nachfolge Thales‘. Thales befasst sich mit der vom Rat des Megalith-Superstamms Sumer (in Mesopotamien) entwickelten* Hypothese, dass der Urgrund (Arche) der Welt reinstes Wasser sei /* s. 1. Genesis). Thales scheint diesen Urstoff jedoch nur als Wissenschaftler betrachtet zu haben (extrospektiv, physikalisch-objektiv), nicht aus der subjektiv-psychologischen Sicht, geschweige denn ontologisch-mystisch. So wird Thales zwar von Heraklit erwähnt, gegenüber Bias jedoch herab gesetzt [38]. Anaximanders Leistung dürfte demnach darin bestanden haben, die einseitig physikalisch-objektive Perspektive seines Vorgängers (Thales) vervollständigt zu haben: er denkt die seiende Dinge ebenfalls als Wasser (Wellen), dabei jedoch als Geschöpfe des unerschaffen-ewigen, grenzenlosen A peiron....

Dinge, die ungerecht sind und ihr Ungerecht-Sein aneinander abbüßen? Heraklits Feuer, das das dingliche Weltall richtet (gerade macht) und vernichte? – klingt nach christlichem "Jüngstes Gericht", das die toten Seelen einer moralisch urteilenden Instanz zuführt, die ihnen für ihr Tun je nach dem Höllen-Strafe (Fegefeuer), oder himmlischen Lohn (in Gottes Schoß bzw. Abrahams Hoden geschaukelt) zukommen lässt.

Nun, diese eschatologischen Vorstellungen wurden zwar aus Schriften wie denen Sumers, Anaximanders oder Heraklits herausgegriffen. Aus ontologisch-mystischer Perspektive jedoch sind sie hinfällig, weil „Seele“ und „individuelles Bewusstsein“ (Luft, Glutwind-Röhre) nichts sind, das sich vom erdenen Leib konkret abtrennbar denken lässt. Leib und Geist stellen keine für sich existenzfähige Entitäten dar, sondern zwei Aspekte (oder Perspektiven) desselben: der Seele. Unsterblich ist erst die noumenale Energie (das Feuer, eigentlich Lebendige), die über ihre Umwende zu Seelen wird (individuelles Wasser, - Schwingungen …

Der Seelenbegriff Heraklits verkörpert ein hochabstrahiertes Konzept, dem die mythische (wiederum sumerische) Ur-Schlange zugrunde liegt. Ihre wellenförmig mäandernde Art der For­t­be­we­gung war es, die die Vorsokratiker auf die Idee brachte,  diese leibhaftige biologische Daseinsform (seelisches Potenz­symbol) zum Begriff  WASSER zu abstrahieren, der Wellen des Meeres wegen, dem Mäandern der Flüsse…

Für das Weitere wäre das Augenmerk auf die „Geometrie“ dieses Begriffs zu richten, ähnlich wie geleistet von der modernen Physik. Sie verankert die Welt wiederum in Wellen, den sog. Wahrscheinlichkeits-Funktionen Auf diese Art von Geometrie – zugleich die darin mitschwingende Auffassung von „Gerechtigkeit“ – weißt letztlich Solon hin. Indem er den in den moral-totemischen Gerechtigkeitsvorstellungen verirrten Athener auf ihre Frage „Was ist Gerechtigkeit?“ erwidert: „Die Oberfläche eines Gewässers, das nie ein Lüftchen berührt.“ macht er deutlich: Es gibt in der Welt keine Gerechtigkeit, weil sie wesenhaft Wasser ist: wellig gekrümmt. So wie Einsteins Raum-Zeit…

Dem Unrecht der Dinge liegt also absolut keine moral-totemische Vorstellung von Sündhaftigkeit zugrunde, sondern ist das Unrecht rein „geometrisch“ konzipiert, der Wellen-Natur (dem Wasser, der Ur-Schlange) immanent. Demnach kennzeichnet die Spaltung den Schöpfungs-Akt selbst: Das Kreative Prinzip (Feuer/ A peiron) gebiert die Wasser-Welt in sich – implosiv, nicht ex, wie von der modernen Urknalls-Theorie gelehrt. Der „Hunger“ des Subjekts (Feuer) nach Selbsterkenntnis erschafft sich die Welt als Objekt, zum Spiegel, Ebenbild. Die Schuldigkeit des Geschöpfs (individuelles seelische Gewässer) ergibt sich also daraus, dass es seinem Schöpfer diesen Sinnes zu dienen hat; dies tut es, indem es ihn in seiner Seele (Wasser) zurückgebärt, seinerseits Schöpfer werdend, der in dem Geschaffenen sein Selbst erkennt…

Solch Ergebnis des über Unrecht und Schuld stattfindenden Gerichts ist nur auf dem Wege inneren Erle­bens, intuitiv erfassbar. Es offenbart sich auch symbolisch, ist deshalb interpretierbar. Die Ratio kann die schöpferische Lebendigkeit des Selbst weder erfassen noch sprachlich wiedergeben ohne sie in starre Abstraktionen zu erfrieren. Erst die Dichtung vermag die intuitiv offenbarte Wirklichkeit gleichnishaft annähernd wiederzugeben, durch Poesie wieder lebendig machen…

Ein spezieller Befunde der Quantenphysik bietet einen näherungsweisen Anhaltspunkt: Wenn 2 in der Zeit gegenläufige Wahrscheinlichkeits-Wellen (Materie & Antimaterie) aufein­an­der treffen, dann schrauben sich ihre Geometrien derart ineinander, dass von den Wellen nichts bleibt als ein Blitz reinsten Feuers....


81  Pythagoras, Ahnherr aller Lü­g­en. Von allen Menschen hat er am meisten Erkundung getrieben und nachdem er die alten Schriften entdeckt, machte er daraus private Weisheit: Viel­wisser­ei, Betrug.

 „alten Schriften“ sind ontologisch-mystische Lehrgedichte (Anaximanders, die sumerische Ur-Genesis, ähnliches.) Sie entdeckten also zweierlei: a) Dass die Welt objektiv aus Wasser besteht, wellenhaft mäandernde Schwingungen, die ihrer geometrischen Natur wegen wesenhaft ungerecht sind. Und b) dass sich das eigentliche „Selbst“ (der Schöpfer der Welt) erst im intuitiv erfassten Ergebnis des Welt-Gerichts offenbart. Phytagoras Machwerk hingegen gründet sich darin, die Erkenntnis der Dinge als wesenhaft schwingende Wellen (vgl. Quantenphysik) in jenen Schriften entdeckt, sie aus dem Zusammenhang gerissen und seiner sog. „Harmonie-Lehre“ einverleibt zu haben. In der Antike gelangte seine Privatweisheit zu großer Berühmtheit, aus 4 Gründen:

a)      Das von ihr übernommene „Schwingen“ des Weltwassers – auch in Form der ihrerseits darin ‚sub-schwingenden‘ Individual-Seelen, jeweils synthetisiert aus erdener Säule und Glutwind-Röhre – basiert auf„Dualität“. Solch Doppeltheit ist für die rationale Vernunft nicht weiter hinterfragbar. Dem „freien Entscheidungs“-Vermögen der Vernunft stehen selbst immer (wenigstens) zwei Optionen zur Wahl, bzw. ist ihr der Tropismus Hunger-Sattheit immanent. Daraus folgt der Antagonismus Bios-Thanatos, Synthese-Analyse, Innen-Außen-Wahrnehmung, Schlaf-Wach…
b)      Phytagoras Harmonie-Lehre hegt den uralten Glaube ans Weiterleben der individuellen Seelen (personales Ich-Bewusstsein) nach dem Tode, ebenfalls den Glaube, in beliebiger Gestalt wiedergeboren zu werden. Zu diesen Ansichten trug die Erfahrung der Träume bei, denn sie hinterlassen oft den Eindruck, als ob das Ich während des Schlafs seinen eigenen Leib verlassen hätte, auch ‚Menschen‘ begegnend, deren Körper längst zerfielen…
c)      Nicht weniger allgemein war ( blieb es bis heute) die Strafangst vor einem Verstoß gegen die Verhaltensvorschriften der totemischen Moral. So geht Phytagoras Lehre davon aus, dass Bohnen eine Schwingung seien, deren Verzehr die Individual-Seelen unrein mache, weshalb sie nach dem Zerfall der derzeitigen Leiber als Schweine oder schlimmeres reinkarnieren. P’s Lehre fußt demnach auf einem Bohnen-Verzehr-Tabu: Wer es verstößt, wird zur Strafe wieder geboren; den Frommsten in Aussicht gestellt, vom ewigen Reinkarnieren ins Leiden erlöst zu werden: Auflösung in der Großen Null.
d)      Phytagroas hat seine Harmonie-Lehre mathematisch strukturiert; die Schwingungen der Einzeldinge und ihr kosmisches Orchester wurden – wie es die moderne Physik versucht – in Form von Zahlenverhältnissen wiedergegeben und berechnet. Ausgangs- und Endpunkt im Kreislauf der Reinkarnationen: die Null.

Nun, jenes Bohnen-Tabu ist typisch moral-totemisch, deckungsgleich mit dem ‚paradiesischen‘ Verbot, die Früchte vom Baum der Selbst-Erkenntnis zu genießen.  Die Wurzel solcher Sitten und Gebräuche liegt in den urpolitischen Verträgen der Megalith-Superstämme, den diese Kulturen lenkenden Siegermannschaften den „Löwenanteil“ der Nahrungserträge entweder unangefochten zu überlassen, oder unangetastet abzuliefern. Zweck der letzteren Variante (Ur-Arbeits-Verstrag): den Siegermannschaften (mythischen Göttern) die fürs Denken erforderliche Zeit zu erwirtschaften. Moral-totemische Gebote wie „Du sollst nicht stehlen (dem Staat „Steuern“ zahlen) stellen also Relikte solcher Verträge dar. Unterschied: die Verträge wurden von Männern aus „Einsicht“ (ICH-bewusst) ersonnen und vereinbart (oder auch nicht); der Totemismus hingegen erhebt seine Forderungen des entsprechend versittlichten ÜBER-ICHs herab ans Ich. So setzt der Ausbruch der totemischen Menschheits-Phase den Verlust der ‚Freizeit‘ zum Nachdenken voraus – die „Muße“ wurde zu einem Vorrecht der Götter; die  unterlegenen Mannschaften der Megalith­superstämme zu „homoi“ (Menschen; geistloser Lehm)…

Phytagoras Bohnenphobie, die daran geknüpfte Vorstellung von Erlösung, ist naturfremd. Nicht ewige Ruh‘ ist Schöpfer der Dinge, sondern unaufhörlicher „Daseinskampf“. Dem Nullpunkt (Anfang und Ende des Kreises/ Quelle und Ziel des Denkens) ist ein unerschöpflich-unerschaffenes Energiepotential immanent.


82, 83 Weiseste Menschen erscheinen gegen die Götter wie Affen an Weisheit, Güte, Schönheit und allem. Schönster von allen Affen: hässlich gegen den Anthropos.

84 Nur nicht so spaßhaft, dass man selber zum Spaße wird!  Sich wandelnd ruht's aus / - vom Spaß  zum  Ernst der Sache in Pythagoras Wahnsinn von der Seelen ewig-jenseitiger Ruh‘. Ermattend ist‘s, nur dem einen Tribut zu zollen.

85 Gegen das Herz zu kämpfen ist schwer. Was auch die Seele begehrt (es klopfen machend im Zorne wie in der Freud): ihr Dasein ist im Umtausch gegen das Feuer erworben.

Vermögen der „Selbstbezähmung“, die Fähigkeit des Ichs, das Begehren aus „Einsicht in die Notwendigkeit“ auf günstigere, weniger risikobehaftete Orte oder Zeiten zu verlagern, ja das eigene Dasein zuliebe der Angehörigen zu opfern. Libido (Feuer; Triebenergie) tauscht sich um zum ES (seelisches Gewässer). In jeder der geist-körperlichen Instanzen Instanzen, allen Regungen der Seele und Vorstellungen des Ichs, wirkt „Libido“. Sie ist die Kraft, welche den Lebensbogen unlustvoll Spannungen aufbauen lässt (das Begehren, Eros Sehnen), sein Werk verrichten in lustvoller Entspannung.

86-88 Das Meiste am Göttlichen en­t­zieht sich der Erkenntnis aus Mangel an Zutrauen. Folge traumatischer Strafangst: die rationale Vernunft  traut nicht ihrem intuitiven Verstand - wagt nicht, sich ihm zu öffnen, seinen Botschaften, Offenbarungen. Der zutiefst Eingeschüchterte pflegt zu erstarren in Blödnis, angesichts des Göttlichen: sein moralisch verteufelter Selbst-Wert (Pathogene Fixation.) Und doch ist es immer dasselbe, das allem innewohnt: Leben Tot, Schlaf Wach, Jugend und Alt. Im Umtausch des einen ins andere  (Alles Fließt) offenbart sich die Gottheit.

89 Die Wachen haben eine einzige Welt zur Gemeinsamen, die Schläfer wenden sich von dieser ab, hinunter in ihre eigenen. Der im Wachen erschaute Tod (Starre/ s. [21]) bildet die Voraussetzung, sich zu einigen auf unsere eine Welt. Heraklit unterscheidet hier also zwischen dem objektiv-physikalischen Bereich der Extrospektion (Bewusstsein), und den subjektiv-psychologischen Universen im Tiefen Unbewussten – eigentlich zwischen vertraglichen Übereinkünften (z.B. was die Bedeutung der Lautfolge S.i.n.n. sei) und ‚anarchisch‘-unberechenbarer Kreativität.

90, 91 Wechselseitiger Umsatz: Der Welt gegen das Feuer und des Feuers gegen die Welt, gleich wie beim Tausch des Goldes gegen die Waren. Im Wasser verdichteten sich Grenzen (macht ‚Dinge‘ berechenbar), das Feuer zerstreut sie ohne Rest.

92   Die Sibyllen,* die mit rasendem Munde ungeschminkt Ungenehm­ig­tes reden (‚anarchisch‘-kreativ, der Über-Ich ’Gute Sitten‘ Zensur entgegen), reichen mit ihren Stimmen durch Tausende der Jahre. Denn die Gottheit treibt sie.

/* Gruppe von Urfrauen, ansässig im Orakel zu Delphi, der Zentral-Rat des Megalith-Superstammes „Hellas“. Er bestand durch tausend Jahre. Seine Philosophen haben alle für das Seelenheil maß­geb­lich­en Fragen entdeckt, alle Antworten gefunden. Was  die Frauen beim Freien Assoziieren verkünden (gleich wie sich geniale Musiker als Sprachrohr des Ewigen empfinden) bezieht sich indes auf die zu jeder Zeit, an jedem Ort gültigen Naturgesetze, ansonsten handelt es sich um spontane Interpretationen aktueller Ereignisse, beurteilt aus der intuitiven Perspektive. Warum Frauengruppen?  Sie vermochten die Ereignisse in und um Griechenland herum ohne subjektive Involviertheit in die urpolitischen Verhältnisse (Sach der Urmannschaften) zu beurteilen…

93 Die Gottheit, die die Orakel bewirkt (die Symbole unserer Träume, Offenbarungen, Asso­ziationen, Freud‘schen ‚Fehlleistungen‘), erklärt nichts, noch verbirgt sie. Sie bedeutet.
Bei den Versuchen, die Bedeutungen der Orakel zu enträtseln:

94  Selbst Helios darf sein Maß nicht überschreiten. Sonst werden ihn die Naturgesetze, der Notwendigkeit Schergen, ergreifen und vernichten. Helios: das jeden Morgen von neuem wissbegierige, immer auf eigenem fußbreiten Verstand stehen und gehende Ich-Ideal Heraklits und der Ur-Hellenen.

95 Unverstand im Verborgenen klären (Gruppenprivatsphäre) hat Vernunft; ein Glas Wein löst den von Scham Gequälten die Zunge.

Besser ein dionysisches Räuschen, als Fremden Gelegenheit bieten, nach der Achillesferse zu stechen. In Sparta war Wein verboten. In „Die Gesetze“ lässt Platon Sokrates einem Spartaner gegenüber die Empfehlung aussprechen, sich die jungen Leute ab und an ein wenig betrinken zu lassen. Dies fördert ihre Schwächen zu Tage, erleichtert, ihnen bei deren Überwindung zu helfen. Die intime Situation der psychoanalytischen Sitzungen leistet ähnliches: gefördert vom Rausch der narzisstischen „Übertragung“…

96, 97 Leichen sind wegzuwerfen, nicht der eigene Mist. Auch Hunde verbellen nicht ihre gesetzten Haufen, sondern wen sie nicht (mehr) kennen.

Am Mist erkennen sie Vorzüge und Schwierigkeiten der individuellen Konstitution, Tages­form der Gruppenangehörigen, trösten einander, bringen einander auf Trapp.

Achilles starb am Unverstand, Lebendiges hinaus zu ziehen, fallend vor Troja, im Ringen um „mein Geliebter Patrokles“: dessen Leiche. Er projizierte also den ins Über-Ich verinnerlichten, ehemals lebenden Geliebten auf totes Fleisch. Ähnlich Hermodoros, einer der Freunde Heraklits: seine narzisstische Hörigkeit (kindisches Liebes-Sehnen) auf Ephesos (seine „Mutter“-Stadt) projizierend, haschte er nach Aufmerksamkeit, positiver Zuwendung von dessen Pöbel. Das Argument war berechtigt-lebendig (Versuch, die Epheser zu warnen vorm Aufstand gegen die persische Besatzungs-Macht), nur kam‘s bei den „Menschen“ nicht an. Stattdessen ächteten sie ihn als Verräter, schmissen ihn aus der Stadt…

98 Im Vor- und Unbewussten (Hades) atmen die Seelen Geruch (evolutionär 1. der 5 Sinne: die chemomolekulare Methode der Orientierung, Kommunikation, Organ- u. Gruppenbildung).

99  Wäre nicht Helios‘ Wacht des Himmels der Großhirnrinde herab, trotz all der von fernher zufunkelnden Sterne bliebe es finsterste Nacht.

Sterne: das sind kulturstiftende „Genies“, die aus fernster Vergangenheit ins Hier und Jetzt herab funkeln. Ihre Errungenschaften blieben unkenntlich, fehlte dem Betrachter der Mut, vor allem weiteren sich selbst zu hinterfragen, auf eigene Gefahr und Verant­wort­ung. Ohne Fragen (die richtigen), keine Erleuchtung…

100 Helios steuert die Umläufe der Jahre (bewusste Einflussnahme auf die Perioden des Leibes; der Erde), erkennt die Veränderungen und setzt die Grenzen (Gesetze, Markier­ung­en), innerhalb derer alles wächst.

Setzen im Sinne des Definierens unterschiedlichster Dinge, Phänomene. Also beschreiben, was eines ist und wodurch es sich maßgeblich von anderen unterscheidet, ab-grenzt... Definieren wörtlich: Ein Ende setzen, identisch mit willentlichem Anhalten des "Fließens".
Roland hat erkannt: "Der Menschenbegriff ist der stabilste und am ehesten ohne tiefschürfende Erklärung auskommende in der ganzen Schrift, allerdings begreifbar nur in dialektischem Wider­spruch zu Heraklits ebenfalls vortrefflichsten Definition der Götter." Zweck des Menschenbegriffs, den des Gesunden desto strahlender hervorscheinen zu lassen. ohne den Verlust des Glücks, seine totale Pervertierung, kein Grund, sich die zwei in Konflikt miteinander geratenen Sachverhalte bewusst zu machen, Definitionen entwickelnd, geeignet für die Wiederherstellung des Glücks auf Erden...

101 Ich durchforsche mich Selbst. Die ursachenlos aus sich selbst strömende Quelle, mein Gott, mein Ziel. Augen sind hierbei scharfe Zeugen, Ohren weniger.

Die Symbole unserer Träume (nicht die der Fledermäuse und blinden Höhlenfische) sind vorwiegend optischer Natur, von der Libido induziert mittels Erregungen des Sehzentrums. Dann kommen akustische Symbole [Daimonions Stimme] und die des „Getasts“. Endlich die olfaktorischen, duftend-geschmacklichen aus dem tiefsten Unbewussten. Emotionalisiert werden sie von jeweils einem der 6 angeborenen Bedürfnisse (deren Begehren; Hunger), außerdem alle mit Erfahrungen verwoben, die vom Ich initiiert ins Über-Ich verinnerlicht wurden. So stellt dies „Gedächtnis“ den Ort dar [Vorbe­wus­ster Hades], in dem die Symbole Gestalt nehmen, Gottes Umkleidekammer. Den noumenalen Gehalt seiner ‚nackten‘ Botschaften vermöchte das Ich nicht zu erfassen. Es ist begrenzt, so bedarf es der Grenzen – was Irrtümer möglich macht….)

102, 103  Anfang und Ende in des Denkens Kreis: dasselbe. Dieser Gottheit (die nou­me­nal schöpferische Energie im 0-dimensionalen Punkt der 3-dimensionalen Kreisbahn) ist alles gerecht, alles schön, alles gut. Die Men­schen aber wurden daran fixiert, das eine als Gut zu erachten und zu tun, das andere als Schlecht anzusehen und phobisch zu meiden.

104 Was sind ihnen Verstand und Vernunft? Was können diese des Lebens ins Tote ent­fremdeten Tages-Wesen davon verstehen, wie die jeden Morgen alles neu hin­ter­fragende Vernunft Halt hat in ihrem fußbreiten Verstand? Volks­sängern glauben sie und zum Lehrer haben sie den Haufen: das demokratische ‚Konzept der Wahr­­heitsfindung‘; statistisch erhobene Modelle, in denen das Normale gleichgesetzt wird mit „Gesund“. Denn das wissen sie nicht: die Vielen sind schlecht, nur wenige gut.

105,106 Homer war Astrologe – glaubte ans „Schicksal“, Berechenbarkeit des Werdegangs eines Lebens aus den Kon­­stell­ationen der Sterne zum Datum der Geburt, wie ersichtlich aus diesen Zitaten: „Auch wurden in einer Nacht sie geboren“ und „Nie, so meine ich, entrann einer der Sterblichen seiner Bestimmung.“ (Illias, 18. 251 /  6. 458).

107 Schlimme Zeugen sind den Menschen Augen und Ohren. Denn der Seelen Sprache wurde ihnen unverständlich gemacht.

108, 110 Keinem Menschen von all denen, deren Reden ich vernahm, ward die Offen­barung zuteil, dass das Weise abgeschieden ist von allem. Nichts kann ihnen helfen, würde ihnen auch alles zuteil, wonach ihnen verlangt. 

Drum sollten sie sich erhängen [121]. Destruktivität der „Ersatzbedürfnisse", deren unersättlicher Suchtcharakter grundsätzlich die Verdrängung der seelisch immanenten „Grundbedürfnisse“ zur Voraussetzung hat und weiter betreibt. Das Haschen nach Konsum, Prestige und Macht ist notwendig primärfrustrierend –feindlich gegen die Natur eingestellt, gegen das „Fließen“ der seelisch gesunden Triebenergien zwischen Bedürfnis-Meldung von Innen (Schlaf) und –Stillung im Außen, Wachen:

111, 112 Hunger macht Sattheit angenehm und gut, Mühe Ruhe, Krankheit Heilung. Gesund Denken ist das höchste Gut, und die Weis­heit besteht darin, die Wahrheit zu sagen und zu handeln nach der Natur, auf sie hinhörend.

113, 114  Gemeinsam ist allem das Denken – ausgehend von den 4 Urteils-Kategorien, über die Atome, Sonnen, Planeten, bis hin zu den bewusstseinsmäßig am höchsten evolutionierten der Arten. Wer mit Verstand reden will, muss sich stark machen mit dem All-Einigenden (Sinn), wie eine Stadt mit ihren Gesetzen, nur stärker. Nähren sich doch die politischen Gesetze von dem einen, Göttlichen, welches gebietet soweit es will, ausreichend für alle und alles, und noch darüber. 

115 Feuer ist das aus sich selbst empor wachsende Gesetzseine eigene Ursache.

116, 117 Allen Wesen wurde zuteil, der Gottheit im Urgrunde ihrer Seelen zu dienen und gesund zu denken. Hat aber ein Mann sich betrunken /-  ist sein Ich an die 'orale' Säuglingsphase fixiert, den lebenslangen Hang erzeugend, nach der Illusorisch Guten Mutter zu dürsten), so wird er von einem Knaben geführt, taumelnd, ohne zu wissen wohin er geht. Denn seine Seele ist feucht.

118 Trockenste Seele: weiseste; desto feuriger brennt.

Zugrunde liegt dieser Aussage der Feuers Umtausch: Wasser; darin ein Teil Erde, das andere Luft,  woraus gleich folgt, dass die Seele sobald sie gebildet wurde feucht ist, weil des Wasser identisch (Individual-Seelen stellen Subschwingungen im allgemeinen Weltwasser [Einsteins raumzeit] dar). Erkenntnisse, denen nach sich die Seelen der höher evolutionierten Arten aus einem Gemisch der Erbgüter zweier Geschlechter bilden, tragen zur Durchleuchtung jener Aussage indirekt bei, nämlich insofern, als dass sich die wesenskennzeichnen Eigenschaften der beiden Progenitoren (das weibliche und das männliche Prinzip) aus den dem Wasser innewohnenden 2 Elementen ergeben: Die Zweigeschlechtlichkeit begann sich dem Darwin’schen Ur-Einzeller (‚primitive‘ Seele) heraus zu entwickeln, weil die Speziali­sie­r­ung auf einen jeweils eigenen Tätigkeitsbereich („Vermehrung“ als eher weibliche Spezialität, kämpferische Ausein­ander­setzung mit den Faktoren der Umwelt als eher männliche) eine höhere Effizienz ermöglicht. Unter der Voraussetzung, dass sich die Spezialisierung in Form einer wechselseitigen ‚Arbeits­teil­ung‘ verwirklicht. Beim Beispiel der Zwei-Gesch­lechtl­ichkeit drückt sich solch symbiotische Aufgabenteilung darin aus, dass es die zu den Faktoren der arteigenen Ökonische jeweils am besten passenden Männchen sind, die das Primat der Begattung am häufigsten erobern; so blieben die Arten anhand „Natürlicher Zuchtwahl“ nicht nur konstant vital (die negativen Mutanten unter den als Erprobungssonden in die Welt gestreuten männlichen Genträgern tragen zur Vermehrung weniger oder überhaupt nicht bei), sondern evolutionieren auch neue, wo neue Ökonischen erscheinen. Deren zuvor ungeahnten Umweltfaktoren passen zu den Eigenschaften mancher der bisherigen Negativmutanten derart gut, dass sie in ihnen gegenüber zu Plusmutanten avancieren.

Die Seele ist also in sich dualistisch (das „synthetische“ der 4 Elemente Lehre Heraklits) und dazu im Besitz der Eigenart, sich anhand evolutionärer Beanspruchung in seine zwei Hälften zu ‚trennen‘, sie zum Vorschein bringend wie das männliche und das weibliche Prinzip (nach überall hin wehende, die Umwelt erkundene Luft-Geist ‚vs.‘ Erden-Leib, der die von jenem gewonnenen Informationen in sich aufnimmt und den Seelen der nächsten Generation integriert).

Daraus erklärt sich nun, was den Trocknungsvorgang des seelischen Gewässers – gleich ob der Frau oder des Mannes – kennzeichnet: die seelisch-emotionelle „Reifung“: Das geistige Prinzip Luft (Glut-Hauch) beginnt wie das unberechenbar „spielende Kind“, lernt während dessen, gewinnt im Laufe der Jahre an objektivierender Distanz zur individuellen Körperlichkeit (artgerechte Beziehungsumwelt vorausgesetzt), erkennt und festigt die Beziehung zum Überindividuell-Ewigen „Feuer“, wird dem Verhalten (ethos) nach zunehmend effizient (im Sinne der der 6 Bedürfnisse) und erlischt, indem es die letzten energetischen Ressourcen noch einmal auflodern lassend ‚verbrennt‘.

119  Das Grundverhalten ist des Anthropos Seele als Potential immanent.
     ethos anthropos daimon

120a  Grenzen von Morgen und Abend: Artemis‘ Gebären und ihr gegenüber die Drohung der Strahlen­den Zeus.

Diesen Eigenschaften (Artemis, mythisch die ‚Bärin‘, ist ein Fruchtbarkeits-Archetyp, die „Drohung“ ein phallisch-erektiles Signal (auch die Vernunft, der Verstand) darf kein monogames Konstrukt wie die Ehe zugrunde gelegt werden. Da Heraklit Angehöriger der Urmenschheit ist (der Megalithkultur „Hellas“), weisen diese Symbole zu den beiden Geschlechtergruppen der Horde. „Grenzen von Morgen und Abend“ umfasst eine Sicht der Welt, die vom Verhalten, Denken und Empfinden dieser Lebensform determiniert ist. Heraklit verankert diese Sicht auf dem spezifisch Weib- und Männlichen, im weitesten Sinne also auf dem „sexuelle“ Verhalten, weil diese Instinkte nicht im Dienste der Individuen (Selbsterhaltung) stehen (vgl. die körperlichen Genüsse des Ochsen in [4]). Sie sind kein Genuss, sondern ein kräftezehrendes Drama (vergleichbar dem Kampf der Lachse: bergauf zurück an die Quelle ihrer eigenen Herkunft), im Dienste der Arterhaltung. Grenzen von Morgen und Abend bergen eine generationen-übergreifende Weltsicht, nicht begrenzt vom Horizont der wenigen Erfahrungen, die sich binnen einer Generation erwerben lassen, geschweige von vereinzelten (monogamisierten) „Individuen“, deren Horizonte höchsten bis nach Adam und Eva, Epimetheus und Pandora reichen…

Die Struktur der 2 Geschlechtergruppen, dazu ihr Verhalten lässt sich heute – in begrenztem Maße ergänzt von Befunden der Primatenforschung – anhand des Monuments von Stonehenge illustrieren. Nebenstehend eine Skizze, in der diese komplexe Anlage –ein Selbstportraut der Horden­lebensform– auf das für hier Wesentliche reduziert wurde. Angedeutet sind die 11 Mitglieder der Mannschaft ZEUS  (z1 erstrahlt zum Datum der Sommerwende im Licht des aufgehenden Helios) und ein Kreis von 50 Frauen, von der Mannschaft gegen  konkurrierende Männergruppen ‚beschützt‘. Phallischer Ausgang (‚Morgen‘) und vaginaler Eingang (‚Abend‘) entsprechen vom Winkel her dem „Maß“, der Göttlichen Proportion. Beide Geschlechtergruppen verkörpern eine gesunde, zu den Faktoren ihrer Ökonische optimal passende „Seele“: die plusmutierte Siegerhorde des Gebiets.

Auf diese Kultur bezieht sich „Atlantis“, das Platon in seiner Polteia (Modell der gesunden Seele) als einst in Griechenland eingefallene, mit den Ioniern in kämpferischen Konflikt geratene Kultur erwähnt. Für die Fundiertheit dieser Hypothese spricht die Entdeckung der modernen Archäologie (Fernand Niel), dass die 11 größten Menhiren o.g. Monuments ein Prototyp der dorischen Säulen sind (u.a. Spartas, nahe beim ionischen Ephesos gelegen), dazu der Umstand, dass die Dorier um 1200 v.u.Z.: kurz nach dem Untergang der nordischen Megalithkultur – in Griechenland einzuwandern begannen.

120b Die Mannschaften (um Zeus‘) rechnen den Lauf des Mondes bei der 7-Zahl zu­sam­men­­­­ (zur Abstim­m­ung der Verträge, Ablieferung der Tri­bute, in „Hellas“ vereinbart urani­mis­tisch mit dem Himmel Uranos – Helios [Illias] als das Auge Führer dieser urersten Sieger­mann­schaft in der Geschichte der Menschheit), den Frauen­gruppen (um Arte­mis‘) erscheint er in ihrem die Männer kampflustig stim­­men­den Sexualverhalten (Gesängen der mythischen „Sirenen“). Stets wächst dasselbe auf 2 Bahnen, je nach seinem Bedürfnis.

Die Graphik zeigt Tageszahl und Lauf eines Urmonats. Heraklit nach rechneten die Ur­frau­en nicht (wie die Mannschaften). Sie empfanden den Lauf der Monate an­hand Ovulation und des respek­tiv­en Sire­n­en­­zyklus, in den Kontexten der Schwanger­schaft und des Gebärens. Der weibliche Zyklus läuft paral­l­el zu dem des Mondes, da Licht­schwankungen – u.U. ergänzt von gravitätischen Effekten – den Hor­mon­­haus­halt beein­­flussen.

Da ein Mond-Umlauf 28 Tage währt, kamen die Mannschaften dann auf die Idee, die Monate in 2 Ur­woch­en von je 14 Tagen zu teilen: die erste Woche für den zunehmenden Mond, die zweite für den abnehmenden. Das Ende des alten und der Anfang des neuen Monats stellt die Zählung auf „Null“. Diese Punkte des Mondzyklus liegen je 7 Tage vor und hinter den Mitten (zwei Mitwochs) der beiden Urwochen. Man gab ihnen den Namen Sonn-Tag, weil Null und sog. Neumond zusammen fallen, bzw. weil aufgrund der des Nachts komplett fehlenden Beleuchtung kein Mond-Tag ist. Ohne Helios, bliebe‘s stockfinsterste Nacht…

Schwer zu leugnen, dass Mosis mit seinem nur knapp 7 Tage umfassenden Schöpfungsmythos einmal mehr bei der urmenschlichen Weltsicht abgekupfert haben dürfte (s. Kapitel 1 der sumerischen „Genesis“), sie bis zur Unkenntlichkeit verstümmelnd. So sollte hinter dem Begriff Gott, der Schöpfer, kein vereinzelter Patriarch – wie Jehova mit seiner Vorliebe für ‚unbefleckte‘ Jungfrauen – vermutetet werden, sondern die siegreiche Urmannschaft des großen Garten Eden (Mesopotamien), die jeweils des Sonntags von der schweren Arbeit, dies Gebiet mittels Bau von Bewässerungsanlagen urbar gemacht zu haben, eine Ruhepause eingelegt hat. Nicht zu vergessen hierbei die Anstrengungen der Wettkämpfe mit den anderen Mannschaften, die das Territorium dieser sesshaft gewordenen Kultur noch als Nomaden (oft Hunger leidende „Jäger & Sammler“) begehrlich umschwärmten, versuchend, es zu erobern. Um so mehr ab dem beginn der weiblichen Brunft. (Frei Tag, der 13.). Dies führte nämlich zwischen den Mannschaften dieser schwer bewaffneten Erz-Engeln zu blitzenden Konflikten (Donner Tag) und – seitens der überlegenen Mannschaft – zur Eroberung des Primats der Begattung (Voll Mondtag, gemäß Darwins Gesetz der Natürlichen Zuchtwahl). Seitens der hierbei unter­legenen Parteien hingegen mündete es schließlich in die Annahme des Angebots einer Ur-Abeitsvertrags (Dienst Tag), dessen Zweck w.o.g. darin bestand, der siegreichen Göttermannschaft die Muse der freien Zeit zu erwirt­schaften, derer es bedarf, um solch herrliche Kultur zu erschaffen und zu verwalten. Nicht vorhersehbar war für Gott, dass die Mannschaften der Menschen (Minusmutanten) infolge der fehlenden Zeit den Verstand zu verlieren begannen, beginnend mit mykromanischer Unterwürfigkeit und megalomanischen Aufständen, worauf ‚Gott‘ die Monogamie einführte, alles noch schlimmer machend als zuvor war. Heraklits göttlich fundierter Lösungsvorschlag:

121 Recht täten die Epheser, sich allesamt auf­zu­hän­gen und der Kindergruppe – bevor die Kleinen vom ‚familiären‘ Konstrukt vereinzelt und traumatisch daran ‚angepasst‘ würden: Erwachsen-Machung, wie im Schwange bei den Menschen – die Stadt zu hinter­lassen, sie, die Hermodoros,  der Stadt besten Mann, heraus­ge­wor­fen haben mit den Worten: Von uns soll keiner der Beste sein, oder wenn schon, dann anderswo und bei anderen.

122  Das Wesen der Dinge (kindlicher Spieltrieb Gottes) liebt es, sich vom Vergänglichen (Starren Verträgen der Erwachsenen) zu scheiden.
Hermodoros hätte darauf sinnen sollen – sich von den Menschen Ephesos‘ emotionell abgrenzen, wieder werden wie die (gesunden) Kindlein:

123 Denkend kann man sich ihm nur Annähern. Wirkliche Verbundenheit ist erst im Tun – jenseits des Vorstellbaren – zu erreichen.

 124 Schönste Weltordnung: Haufen sich wild auseinander kämpfender Dinge.

125 Auch der Biertrunk verdirbt, wird er nicht stetig gerührt.

125a Möge den Ephesern der Reichtum nie ausgehen, damit ihre Verdorbenheit (Folge der erzieherisch verunmöglichten primatischen Kindergemeinschaft) Mittel hat, sich zu zeigen. Not macht erfinderisch. Auch wenn’s nur Mangel an Ersatzbedürfnissen ist.




Anhang

Zu [26]: Bemerkenswert, wie sich Diels in seinen „Fragmenten“ den Zugang zum Verinnerlichungs- und Projektionsphänomen verrätselt:
D 21 „Tod ist alles, was wir erwacht schauen, was aber im Schlummer, Schlaf (Dämmerung), [was aber im Tode, Leben].“
Ich habe diese Passage umformuliert gemäß der Annahme: sie war von Heraklit „metapsycho­logisch“ konzipiert, und eingegliedert in [26].
(Nummern mit vorgesetztem „D“ kennzeichnen diel’sche Erwägungen.)

D 63: „Er [Heraklit] spricht auch von einer Auferstehung des Fleisches, des irdischen, sichtbaren, in dem wir geboren sind, und weiß, dass Gott [Jahwe also] dies bewirkt. Sein [Heraklits] Ausspruch lautet: Vor ihm aber, der dort ist, erhöben sie sich und Wächter würden wach der Lebendigen und der Toten. Er sagt aber auch, es finde ein Gericht der Welt und all dessen, was drinnen ist, durch Feuer statt, in folgendem: 64 Das Weltall aber steuert der Blitz, d.h. er lenkt es (...)"
Der Autor scheint christliche Eschatologie im Kopf zu haben: das Gericht, welches Jahwe halten wird am Jüngsten Tag über die lebenden und toten Seelen. Dieser Glaube setzt das Fortdauern des Denkens (auch der Ausscheidungsfunktionen?) nach der Verwesung des Gehirns voraus. Also die Aktualität des Leib-Seele-Problems und das Hoffen der sich zu diesem Zweck in autosadistischer Askese usw. übenden Christenheit auf „jenseitige" Erlösung.
    Glauben dieser Art gehören dem an, was Heraklit dem Feuer zum Opfer wirft, die ‚klebrige‘ Libdio von der Anhaftung an derart Totes/ verwesende Vorstellungen) erlösend. Das unterscheidet den Homo sapiens von den Menschen – den Opfern, die sie dem Götz ihrer naturwidrigen Glücksvorstellungen darbringen, während ihrer Erziehung, Kriege, Eheprobleme …

D 68.  „<Heilmittel> nannte Heraklit die schimpflichen Bräuche der Mysterienkulte.“
Relativ harmloser Kommentar. Immerhin macht Diels kenntlich, was Heraklits, und was eigene Auffassung ist. Unter Entfernung des Untauglichen beibehalten in [68]. 

D 75.   „Die Schlafenden nennt er, glaube ich, Werker und Mitwirker an den Geschehnissen in der Welt.“ Kann Heraklit zugeschrieben werden, wegen der im Schlaf erfolgenden Welterschaffung und -vernichtung [63-66].

D 107: „Schlimme Zeugen sind den Menschen Augen und Ohren, sofern sie Barbar­en­seelen haben.“
Versuch einer Übersetzung von Material, das schon frühere Gebildete korrumpierten? Jedenfalls wertet Diels die Aussage für echt, mit einigem Stolz auf die intellektuelle Leistung, griechischen Text ins Deutsche translatiert, von Heraklit aber nur Bahnhof verstanden zu haben, ihn als den „Dunklen“ erachtend. Diels suggeriert, dass es Heraklits Auffassung gewesen sei: den eigenen Augen trauen zu können bedürfe der „Bildung“.

Als „Barbaren“ galten den Hellenen und Heraklit indes nur die Mitglieder eines ihnen fremden Sprach­raums. Also Homo sapiens, deren Mitteilungsversuche sie nicht ohne weiteres verstanden. Mit dem Grad der Gebildet- und -Ungebildetheit hat es nichts zu tun. Der „Bar Bar“ ist eine Lautmalerei, ähnlich wie unser „Gebrabbel“. Solche Lautfolgen deuten zu anderen Lautfolgen, denen also (erstmal) kein Sinnzusammenhang zu entnehmen ist; zuvor müsste die Fremdsprache erlernt werden. Zum Beispiel gilt die Babylonische Sprach­verirrung als Strafaktion einer moral-totemischen Gottheit: verhängt über die Menschheit aufgrund ihres prähistorischen Versuchs, sich den Himmel zu erobern, Gottes Statt einzunehmen, ihn zu entthronen.  Solch Versuch setzt eine gemeinsame Sprache (gegenseitiges Verstehen, gelingende Kommunikation) voraus. Redet man aneinander vorbei (ob der Chinese am Spanier oder auf gut Deutsch unter sich ist egal), bleibt unmöglich, sich zu einer wehrhaften Gemein­schaft zu koordinieren, zu schweigen von einer „Mannschaft“. Die babylonische Verirrung läuft demnach auf das­selbe hinaus wie die von Platon im Dialog Symposion dar­ge­leg­te Zerschneidung der Urkugel­menschen (Titanen­mann­schaft Epimetheus) zu „Individuen“.

Das Wort „die Menschen“ bezeichnet bei Heraklit nicht notwendig Barbaren im o.g. Sinne. Menschen – egal welchen Sprachraums oder Grades an „Bildung“ – sind als jene Wesen definiert, denen 1- die Symbolsprache ihrer eigenen Seelen unverständlich gemacht und die 2- zu sehr um den Verstand gebracht wurden, als dass dieser pathogene Zustand reversibel wäre. Menschen erachten ihre Perversität für „gut“, als Götze, mit dem sie zu reden versuchen wie mit einem Gebäude – als ‚Wert‘, von dem sie Heilung ersehnen, nicht ahnend, dass sie ihr Leiden anhand seiner Anwendung verewigen. Diese Scheinwerte sind eine Folge der Moral-Erziehung und nicht weniger traumatischen „Einführung der Monogamie“. Im Garten Eden (Mesopotamien) nicht weniger als unter den Titanen: der Verunmöglichung der Primatischen Kindergemeinschaft, der in der „Familie“ fehlenden Voraussetzung, die seelisch-emotionellen Reifung zu absolvieren…


D 126  „Kalt wird heiß, Warmes kühl, Feuchtes trocken und Verdorrtes nass.“
Irreführend. Sicher wird die „feucht“ zur Welt gelangende Seele nicht von selbst trocken. Obzwar Nietzsche meint, in Heraklit den einzigen Philosophen entdeckt zu haben, der geeignet sei, ihn zu wärmen (seine infantil gebliebene Seele), bedarf der psychische Trocknungsvorgang (emotionelle [Nach-/Reife) des Austausches unter lebenden Gesunden oder Heilbar-Gebliebenen. Also die dem Homo sapiens arteigene Gruppen-Dynamik, sonst die vom Vorbild der primatischen Kindergemeinschaft inspirierte, sich traumanalytisch gegenseitig helfende Therapiegemeinschaft   –eigentlichen „Übermenschen.“ Vgl.  [118].


Reihe der Sätze, die von Diels ausdrücklich als „Zweifelhafte,
falsche und ge­fälschte Fragmente“ gekennzeichnet wurden:

D 126a  „Nach dem Gesetz der Zeit wird die Sieben­zahl zusammengerechnet beim Monde, gesondert aber erscheint sie bei den Bären, den beiden Sternbildern unvergänglicher Erinnerung. D126b Stets wächst das eine so, das andere so, je nach seinem Bedürfnis.“
Ließ sich eingliedern in [120], da es sich bei der Großen Bärin  um ein mythisch konserviertes Bild der „Artemis“ handelt – die aus dem vorbewussten Kollektivgedächtnis der Menschheit auf den nächtlichen Himmel projizierte Erinnerung an eine bärinnenhaft wehrhafte, souveräne Frauen­gemein­schaft. Die Kleine Bärin deutet also zu einer jungen Freundin der erwachsenen Artemis – beide zur Beziehung zwischen Frauen und pubertären Mädchen…

Diese Symbole lassend sich auch mystisch, nicht lediglich mythisch, interpretieren: In Meister Eckeharts Abhandlung Das Goldene Gefäß ist das Ich (Bewusstsein) „Die Jungfrau, die eine Frau ist.“ : innerlich empfänglich für die Inspirationen des schöpferischen Prinzips, nach außen hin kreativ, schöpferisch. Ob die Ge-Bär-Freudigkeit nur den biologischen Vorgang der Vermehrung meint, oder sich auch auf die kulturelle Re/Produktivität bezieht? Ist unerheblich. Im Falle einer Überbevölkerungs­kata­strophe schränkt das Ich (Helios „lenkt“) die biologische Vermehrung ein: aus „Einsicht in die Notwendigkeit“, in Rücksichtnahme auf die kommenden Generationen … Auch Sokrates „Hebammen-Kunst (Mäeutik) hilft nur Erkenntnissen ans Licht der Welt, gezeugt aus dem Tiefen Unbewussten, im Vorbewussten (Über-Ich) belastet vom moralisch implantierten Hang, sie möglichst tief verdrängt zu halten, gefangen im Hades. (In der Tat: den wenigsten gelingt, diesen Bereich zu betreten und lebend wieder zu verlassen. Man muss wie Orpheus fähig sein, dem geliebten Narzissmus ins Angesicht zu schauen, „Selbsterkenntnis“ betreiben…)

Der Antagonismus Artemis-Apollon: nach hinten vaginal, nach vorn phallisch (beide vereinigt in Heraklits lebendigem Bogen samt tödlichem Werk) mag mit seinem Pfeil in dieselbe Richtung zielen. Auf keinen Fall aber ist – wie von manchen Freud-Dissidenten gelehrt – das Ich der Frau eher männlich (als Animus) - das des Mannes hingegen eher weiblich (als Anima) konzipiert…


D 127  „Wenn es Götter gibt, weshalb beweint ihr sie? Wenn ihr sie aber beweint, so haltet sie doch nicht für Götter!“
Dem liegt Logik zugrunde, wie zum Abschluss von [5] zur Geltung kommt: Gemeinsames Wesen der Götter und Helden ist das Gesunde, einschließlich seines Vermögens, von erlittenen Schäden zu genesen, gegen den Tod kämpfend. Desto heroischer, als es seelische Verletzungen sind, die einen Betroffenen zum „Mensch“ machen können…

D 128.  „Sie beten zu den gehörlosen Bildern der Götter, als ob sie hörten und keinen Lohn zahlen, wie sie auch keinen fordern.“
Dilettantischer Versuch eines Philologen-Kollegen von Diels, Aphorismus [5] mit dem Treiben der Ärzte [58] unter einen Hut zu bekommen.

D 129.  „Pythagoras, des Mnesarchos Sohn, hat von allen Menschen am meisten Erkundung betrieben, und nachdem er diese Schriften herausgesucht, machte er sich daraus eine eigene Weisheit: Vielwisserei, Betrügerei.“
Eingegliedert in [81]. War Diels Pythagoreer? Oder warum passt ihm nicht in den Kram, dass Heraklit P. des Betrugs entlarvt? Wahrscheinlich wurde ihm beim Betrachten dieses Aphorismus zu bewusst, was und wen Heraklit mit „Menschen“ meinte, darunter die Sondergattung der „Gebildeten“…

D 130.  „Man soll nicht so spaßig sein, dass man selbst zum Spaße wird"
fand Diels auch überhaupt nicht lustig. Ich hab’s platziert hinter „Phytagoras: schönster von allen Affen“ ...

D 131. „Selbstdünkel ist Fortschritts Rückschritt.“
Umgedeutet zu ‚Hochmut kommt vor dem Fall‘, s. [45].

D 132. „Ehrenbezeugungen verknechten Götter und Menschen.“
Verlagert nach [74]. „Menschen“ rausgenommen und den Rest ergänzt um gegenüber den Eltern. Gesunde Kinder, unheilbar verknechtet, wurden von Göttern zu „Menschen“ (gemacht). Wenn „heilbar“ geblieben, dann zu Helden (Heroen)…

D 133. „Böse Menschen sind die Widersacher der wahrhaftigen.“
Laber.

D134. „Bildung ist den Gebildeten eine zweite Sonne.“
Verlegt nach [72].

D 135.  „Kürzester Weg zum Ruhm: werde gut!“
Eingefügt in [71], hierbei statt „gut“: gesund.

D 136. Seelen im Kriege gefallen sind reiner als Seuchen erlegene."
Das ließ sich u.a. durch Änderung der Zeitangabe in [24] einbauen: Kämpfende Seelen (lebende) sind gesünder als jene, die der Pest des Mensch-Seins erlagen, ‚verdammt‘ zur ewigen Ruh‘.  Heraklit geht nicht davon aus, dass individuellen Seelen vom erdenen Leib abtrennbar seien, bzw. dass es für individuelle Geister ein Leben nach dem Tode gäbe. Die Religionen übernahmen diesen uranmistischen Glauben und hängen ihm an – trotz Erkenntnis der Wissenschaft, dass bereits Krankheiten wie Alzheimer zur kompletten Zerstörung des Charakters, Zurechnungsfähigkeit führen –, weil ohne ihn das Konzept der metaphysischen Erpressung und Verlockung nicht funktioniert. Ohne jenseitige Straf-Belohnung, büßt ‚Gott‘ seinen Unsinn vollständig ab…

D 137.   „Denn es gibt auf alle Fälle Schick­salsbestimmungen."
Hier zweifelt Diels mit  Recht an der Echtheit, weil unvereinbar mit der Darlegung Homers als Astrolog/s. [105]. Wieso fälscht er dann [D 119/ ethos anthropos daimon] zu ‘Was den Mensch kennzeichnet, ist sein teuf­lisches Schicksal‘ ?

D 138 „= Poseidippos Epigr. 21.“
Nur einleuchtend für Menschen mit Bildung.

D 139.  „Astrologische Fälschungen christlicher Zeit auf Heraklits Namen Über die Herkunft der Sterne stellen vielleicht Thales‘ These dar: Die Welt besteht aus Wasser; Sterne bilden sich aus und im selben Urstoff.  Integriert in [38].



Zusammenfassung

„Alles Fließt“ ist die geläufige Verkürzung der um 450 v.u.Z. entstandenen Schrift Heraklits, hinterlegt im Tempel der Fruchtbarkeitsgöttin Artemis, nahe bei Ephesos, seiner Heimatstadt. Um sich eine erste (ansatzweise) Ahnung ihrer Bedeutung zu erschließen, eignet sich eine Auseinandersetzung mit folgendem:

Alles, was da lebt und webt, hütet der Gottheit Werk. Immer in ihrem Flusse stehend bin ich stets von neuen Fluten umströmt; meine Seele selbst ist göttliches Fließen, ist Ich und ist Nicht-Ich. Schweine freilich erfreuen sich mehr des Drecks als an diesen Wassern. Denn der Übergang vom Kind zum Erwachsen-Sein, wie ihn die Menschen gestalten (Pubertätsrituale; Erziehung), macht seelisch krank.  

Diese Auswahl traf ich aus dem Material, das von Herman Diels zusammengetragen und publiziert wurde. Seiner Meinung nach blieben von der ganzen Schrift nur Fragmente erhalten – Fetzen, die er aus Zitaten wiederum anderer (meist antiker) Autoren übernahm, teilweise auch interpretierte. Im Ergebnis blieb ihm der Zusammenhang der Aphorismen in einer (hypothetischen) „Abhandlung“ verborgen, schon weil die Bedeutung jedes für sich – so Diels – kaum zu fassen sei. Andere „Gelehrte“ (Heraklit spricht von „Menschen“ mit der zusätzlichen Qualität des „künstlichen Lichts“) gelangten zu gegenteiligen Auffassungen – was ist wahr?

Obiger Versuch sollte erkennen lassen, dass sich das Fließen vor allem auf die naturgemäße Dynamik der Seele bezieht, also den Kern eines Gesundheitsmodels darstellt. Die stetige Veränderlichkeit am Grunde der Dinge, so wie von der modernen Physik wiederentdeckt („Unbestimmbarkeits“-Relation/ Heisenberg) ist diesem Model zwar auch immanent. wenn Aber diese physikalische Unberechenbarkeit das einzige wäre, worum es Heraklit ging, dann hätte er dem Fließen keine Erwägungen gegenüber gestellt, die dem großen Reich der Psychopathologie angehören – zusammengefasst und gebündelt im Begriff Menschen… Damit nicht genug, differenziert er zwei pathogene Stufen oder Krankheitsgrade: die Unheilbaren (Menschen) unterscheiden sich von den Heilbaren (Heroen). An letztere – zu prophylaktischen Zwecken auch an die Gesunden (Götter) – wendet sich nun die Schrift: Menschen ist der Zugang zu ihr – wie von vornherein klargestellt – verschlossen…

Sokrates kannte Heraklits Schrift und schätzte sein Denken als vor­züg­lich – für das, was ihm dunkel blieb, empfahl er sich in die mystische Ver­senkung (Delisches Tauchen). Dort begegnete er dem Daimonion, der Intuition,„Weisheit der Natur“, die seinem Ich alles weitere offenbarte, nicht nur in Bezug auf Heraklit, sondern auch die eigene Problematik…

Vieles in Heraklits Schrift stimmt mit den Theorien der Psycho­analyse überein, ja erhellt sie manches, was Freud erst anzudenken gelang. Dafür noch ein Beispiel; es führt über einen weiteres Kapitel (S. ) zur Untersuchung des Freud’schen  Lebens-Todes-Trieb-Antagonismus (S.) hin:


Man soll nicht leichthin urteilen über die größten Dinge:
Des Bogens Name ist Leben, sein Werk der Tot. Was wir wachend erschauen ist Tod,  was im Schlafe: Leben. Die Wachen haben eine einzige, ihnen gemeinsame Welt, von den Schläfern wandelt jeder für sich, in seiner eigenen. Halbwach ziehen wir Lebendiges hinaus in den Tod, halbschlafend Totes ins inwendige Leben.


Hier geht es um die zwei ‚Seiten‘ des Ichs: das Rezeptions- und Prägungsphänomen einerseits, und die Phänomene des Glaubens und Projizierens anderseits: die vom Ich im Außen eingefangenen Sinnesreize werden ins Seelenleben integriert (als „Erfahrungen“ zu Gedächtnis-Inhalten/ Aspekten des Über-Ichs) und anschließend – mit den lebendigen Beurteilungen gemischt – auf die an sich ‚toten‘ Reizquellen projiziert, sie mit dem Anteilen des Lebendigen animierend.

Von dieser Warte aus beurteilt sollte Heraklit nicht der Auffassung gewesen sein, dass er und Parmenides die „Antipoden“ seien, als die sie heute gelten. Im Gegenteil! ergänzt sich Parmenides‘ starres (totes) SEIN mit Heraklits (lebendigem) ALLES FließT.

Parmenides Sein ließe sich als Versuch deuten, das Wesen des heraklitischen Todesbegriffs zu erfassen… demnach gelang es ihm – gleich Heraklit –, das Kreative Prinzip Leben am Grunde des introspektiven Bereichs Schlaf geortet und per def. vom wachen Denk- u. Außenwahrnehmungsbereich restlos abgezogen zu haben. Dies ist Notwendigkeit. Darin, wie eben im Definieren (der schöpferischen Dynamik will­entl­ich ein Ende setzen; ihr Fließen bewusst erfrieren [nicht verwechseln mit pa­thogener Fixation]), liegt die Bedingung, unter Wachen einig über die ihnen gemeinsame, eine Welt zu werden… Intuitiv-innerlich ist das Sein erfüllt von lebendiger Schöpferigkeit, rational betrachtet bar aller Dyn­amik…

Heraklit und Parmenides gehen davon aus: Auch so höchstsubjektive Phänomene wie die Träume (in die ‚eingebaut‘ totes Außen mit lebendig Innerem zu Sym-Bolen verschmilzt) lassen sich schlüssig deuten. Beiden war bewusst, dass die rationale Vernunft nur in Graden von Wahr­scheinlichkeit: Annäherung ans eigentlich Wirkliche denken kann – dass aus dieser Sicht alles ebenso relativ ist, wie Das Meer: Der Fische Lebensquell, ein Gift den Menschen. Weder trieb sie diese Relativierbarkeit zur Verzweiflung, noch machten sie sie zu einem Geschäft (Rhetorik vor Gericht, ‚Sophismen‘ lehren), erfassten statt dessen Anfang und Ende der Kreisbahn im Selben Punkt: eine Quelle voll undimensionaler Kraft, deren Begehren das ganze All erschafft, Sättigung Untergang…


Einmalig in der ganze Geistesgeschichte Europas blieben die Abhandlungen Meister Eckeharts über seine Auffassung der Seele: Er griff dafür auf den von Heraklit inspirierten Urgrund Platons zurück,* der als feurige dynamis die Seele des Menschen erschafft, ein göttliches Fünklein darin entfachend (je trockner sie wird, desto feuriger brennt‘s) und ein Leben lang begleitet, bis diese Energie nach dem Erlöschen der Seele in die Einheit göttlichen Seins zurückkehrt... Diese Anschauung ging dem Abendlande gleich nach dem mysteriösen Tode Eckeharts wieder verloren. Seine Lehre wurde verketzert und verboten, seine Schriften der Öffentlichkeit vorenthalten. Die Theologen manipulierten sie und erst im 20. Jahrhundert wurden sie – von Josef Quint kommentiert – in modernem Deutsch wieder verlegt...

Auch wenn man die entgöttlichte Seele selbst als für die Vereinheitlichung der Vielfalt in den Sinneswahrnehmungen zuständig erklärt, bleibt sie grundsätzlich dualistisch: Vordergründig analysiert sie die Sinneseindrücke, hintergründig behält sie durch Synthese den die Einheit herstellenden Gesamtüberblick auf diese Arbeit – zwei ganz eigene Arten von Aktivität. So werden alle geistigen Leistungen doppelt vollzogen: urteilend anhand der vorbewussten Intuition oder „Verstand“ einerseits, und handelnd anhand der bewussten Ratio oder „Vernunft" andererseits. Ontologisch gesehen scheint nur der Verstand (als ‚Leib‘) eine Substanz zu brauchen; die Vernunft als ‚Geist‘ nicht – das liegt daran, dass beide Komplemente des Selben sind. Selbst- und Welturteilende Instanz bilden gemeinsame „die Seele“ und so mit dem Sein eine untrennbare, sich gegenseitig bedingende Einheit...

/* Genauer gesagt ist Platons form-, farb- und geruchlose dynamis beeinflusst von Heraklits 4-Elemente-Lehre. In ihr bildet das dualistische Element Wasser den phänomenalen Grundstoff sowohl der Welt- als auch individuellen Seele (Lebens-Bogen), die leibhaftige Erde also des Bogens intuitiven Verstand und die geistige Luft seine rationale Vernunft. Letztere, bezeichnend auch „Glut-Hauch“ genannt, steht in direkter Verbindung zum Feuer [Apeiron], das als noumenale Quelle, Kraft und Ziel des seelischen Ge­wässers zugleich gilt. Dies Model deckt sich mit Freuds: Das ES ist der Gesamtorganismus bzw. die Seele, die in sich das geistige ICH und das körperliche ÜBER-ICH birgt, angetrieben und erschaffen aus LIBIDO (s. Graph. S. )..

Der Aphorismus: Feuers Umtausch: Wasser; darin ein Teil ist Erde, das andere Luft ist im Prinzip eine Gleichung, wie E=mc². In ihr stellt das Feuer E aber keine bloß physische, sondern eine gött­lich-kreative Energie dar, Libido.** Sie tauscht sich um ins duale Wasser (leibliches m & geist­iges c ihrer Geschöpfe), nimmt darin unberechenbar vielgestaltigste Formen an, lässt sie trocknen (‚Abscheide‘ des Geistes von der Erde: „Reife“; Beziehung zum Ewigen, Unpersonellen festigen) und kehrt mit deren Tode zurück in ihre Ureinheit…
/** Das unterscheidet Heraklit also von Einstein. So folgt die Konstanz der Lichtgeschwin­digkeit c daraus, dass unsinnig wäre zu denken, der Geist könne langsamer sein als er selbst, bzw. sich selbst überholen – auch nicht neu im Abendland: Zenon begann es zu erwägen, angeregt von Parmenides: Bewegung ist stets dieselbe, ganz oder gar nicht..





Eros-Thanatos vs. Narzissmus

Die Bezeichnung Todes-Trieb  wie Freud sie verwendet – hat 2 Aspekte; einen unhaltbaren, sofern nämlich die vom Begriff „Trieb“ sug­gerierte Angeborenheit auf den Narzissmus ge­münzt ist bzw. auf die spezifische Art von Destruktivität (anal-sadisti­scher Rache- und oral-masochis­tisch­er Re­gres­sionsdrang). Dies Doppel-Syndrom als vom Ur­menschen unabsichtlich selbstverursacht zu klären – daran schließend auch Formulierungen wie die ödipale Phase [was ohne das Heranwachsen des Kindes in der „Familie“ undenkbar bleibt] – war Freud nicht imstande. Der Wissenschaft fehlte die Entd­eckung des Urzusammenlebens in Horden von je zwei Geschlechtergruppen + 1er Kinder­gemein­schaft, Vor­aussetzung zur Erlangung der psychischen Reife.


Nun, was er in der Metapsychologie eigentlich unter­sucht ist nicht der Narzissmus (die im Ich hass­liebes- fixiert = sadomasochistisch hyperaktivierte Libido), sondern die wechselseitige Bedingtheit des zusammenfügenden und zerlegenden Prinzips als ein der Libido immanenter Antagonismus. Freud nennt ihn in griechischer Sprache: Eros-Thanatos. Er weist darauf hin, dass sein Eros identisch mit dem ist, den Plato im Symposion erörtert, u.z. als ein allen Organismen innewohnendes „Begehren“, bei dem also das Subjekt ‚Lust-Objekte‘ integrieren will, mit sich zu­sam­menfügen... Dafür baut die Libido eine Spannung auf, die dem Ich als unlustvolles Gefühl wie Hunger be­wusst wird, verbunden mit dem Drang, sie in Rich­t­ung des Trieb­ziels zu entladen. Erst die Ent­spannung wird ihm als Lust spürbar und bewusst. Für das Zielen muss es das Begehrte ‚analytisch‘ von den ungeeigneten Faktoren unterscheiden, also die Realität in ‚Plus und Minus‘ zerlegen. Und dass der Antagonismus nichts rein Geistiges ist, das wird daran bewusst, dass auch die Magensäure thanatisch wirkt, zersetzend, wo­rauf andere Enzyme die begehrten Moleküle er­grei­fen, sie mit dem Organismus erotisch ver­bin­dend. Nicht Geist und Leib also begehren und spalten das dafür Ungeeignete ab – auch nicht das ES (phänomenale Einheit der Instanzen)–, sondern die Libido, die eigentlich schöpferische Kraft. Geist und Geist sind ihre Organe, Werkzeuge …


Den Antagonismus hat bereits Heraklit erkannt, kraft seines Bogens, dessen aufgebaute Spannung sich in einem gezielten Schuss entlädt, des Lebens Werk verrichtend… Er ist der erste Psychoanalytiker des Abendlandes, denn nur aus dieser Perspektive kann seine Sicht in jedem ihrer Details erfasst und einheitlich zu einer Schrift zusammengefügt werden. Darauf deutet nicht zuletzt die mit Freuds Instanzenmodel über­einstim­mende Konzeption der 4 Elemente/ S. 18). Hinzu kommen:

- Ein Gleichnis über die Selbstheilungskraft des see­lischen Ge­wäs­sers: eine Spinne, die wie halt­los hineilt zu den im Kampf mit der Beute verursachten Schäden an ihrem Leib-Geist verwebendem Netz, weil Halt erst das Maß* im wiederhergestellten Netz bietet. /* Der Goldene Schnitt; das von der Evolutionsforschung jüngst wiederentdeckte Prinzip der Selbstorganisation aller Materie, zusammengefasst im Begriff Das Morphogenetische Feld.

- Erkenntnisse zum Wie und Woher der chronischen Seelenpathologie (verursacht von den Erziehungskulten der Menschen (leidensvolles Festhalten an illusorischen Glücks­vorstellungen, krankmachenden weil irrig seienden ‚Werten‘).

- Fast zu Beginn der Schrift die Unterscheidung des in- vom extro­spektiven Bereich (Schlaf ‚vs.‘ Wach), worin also die sich regenden Bedürfnisse der Seele und die Aufgabe des Ichs: in der Außenwelt Sorge für deren Stillung zu tragen, gegenüber gestellt sind.

- Diese Doppelheit ist dem Lebensbogen immanent und das Gemeinsame aus beidem definiert er als das umfassend alles regierende Weltgesetzt, der logos… Selbstverständlich für einen, der Psycho­analytiker genannt sein soll, außerdem fol­gen­de Erkenntnisse, zunächst in Bezug auf das Ich:

- Gäbe es nicht Helios am inneren Himmelszelt der Groß­hirnrinde, trotz der anderen Stern bliebe es stockfinsterste Nacht – ohne eigenverantwortlich- bewusstes Denken keine Erleuchtung, mögen einem noch so viele Genies von fernher funkeln.

- Das Ich (Helios‘ rationale Vernunft) erwacht neu an jedem Morgen =Forderung, gerade was selbstverständlich, vertraut oder seit „Anbeginn“ einer Kultur bewährt scheint, ebenso triebhaft wissbegierig unvoreingenommenen wie ein Kind sokratisch zu hinterfragen. Gott selbst ist ein spielendes Kind.

- Das Ich (Helios‘ intuitiver Verstand) steht auf eigenen Füßen; die haben immer dieselbe Breite (von Kindheit bis ins Alter/ Konstanz der im­ma­nen­ten Naturweisheit).

Dem gegenüber stehen jene Phänomene, die für das psychoanalytische Ich von besonderem Interesse hinsichtlich des Vorhabens der Traumdeutung sind, u.z. Erkenntnisse, die sich mit dem Sinn und Wesen der Freien Assoziation befassen:

- Die Sibyllen, die im Orakel zu Delphi mit rasen­dem Munde Ungeschminkt-Unlachhaftes ver­kün­­den, reichen mit ihren Stimmen durch tausende der Jahre – auch in der Art, wie die Symbole im Vorbewussten Über-Ich/Hades) Gestalt nehmen: sich wandelnd durch den sie vom Unbewussten her steu­e­r­n­den Gott, gerade so, wie ein Feuer welches mit Räu­cher­werk ge­mengt nach dem Duft der jeweiligen Sorte benannt wird.

(Beim Versuch der Deutung dessen was die vom Schöpferischen Prinzip gestalteten Orakel, Traum- und a. Symbole bedeuten: Helios wird sein Maß nicht überschreiten; sonst werden ihn die Natur­ge­setze, der Not­wendigkeit* Helferinnen, ergreifen.  /* Dike. Ihre Helferinnen: die Erynnien.) Wie Freud sagt: in der psychischen Welt gibt es keinen Zufall, nichts Geistloses, rein Organo-Me­chanistisches: Unsere Träume haben immer ihren Sinn und eine Botschaft: Heilung begehrend, Krankes zu opfern, Bedürfnisstillung.
















Heraklit von Ephesos   (Für den Versuch, die Einheit der unten folgenden Aphorismen wiederherzustellen, wurden u.a. konsultiert:...